[Blog Details]

Total Cost of Emissions: Wenn CO₂ vom ESG-KPI zum Kostenfaktor wird

Total Cost of Emissions: Wenn CO₂ vom ESG-KPI zum Kostenfaktor wird

Kategorie: Fuhrpark & Mobilität

Total Cost of Emissions: Wenn CO₂ vom ESG-KPI zum Kostenfaktor wird

Der einzige Kostenblock im Fuhrpark, der von allein wächst.

„Emissionen sind kein Umweltthema. Sie sind ein Kostenblock mit Wachstumskurve.“

– Alexander Schuh, Geschäftsführer moviqon

Die Total Cost of Emissions (TCE) bündelt die monetarisierten Kosten, die durch die Emissionen von Fahrzeugen und Mobilitätsleistungen entstehen – bezogen auf Haltedauer und Laufleistung, ausgedrückt in Cent pro Kilometer. Der Kern der Rechnung ist einfach: TCE = Emissionsmenge × Emissionspreis. In der Praxis kommen vier weitere Bestandteile hinzu: interne CO₂-Schattenpreise, Kosten für Reporting und Compliance, emissionsbezogene Gebühren sowie Restriktions- und Transformationsrisiken.

CO₂-Emissionen wurden im Fuhrpark lange als Nachhaltigkeitskennzahl behandelt – als Zahl für den Bericht, nicht für die Kalkulation. Diese Trennung greift zu kurz. Emissionen beeinflussen Energiepreise, Abgaben, Beschaffung, Kundenanforderungen, Reporting und Reputation. Und anders als bei jeder anderen Kostenposition im Fuhrpark ist ihre Entwicklungsrichtung bekannt: Der Preis steigt, und ab 2028 wird er nicht mehr staatlich gedeckelt, sondern am Markt gebildet.

Dieser Beitrag schließt unsere dreiteilige Serie „Was Mobilität wirklich kostet“ ab. Die TCE ist die zweite Säule der Total Cost of Mobility aus Teil 1 und ergänzt die wirtschaftliche Betrachtung der Total Cost of Ownership aus Teil 2 um genau die Dimension, die dort systematisch fehlt.

Serie: Was Mobilität wirklich kostet

Teil 1 · Total Cost of Mobility — Das Gesamtbild

Teil 2 · Total Cost of Ownership — Die wirtschaftliche Wahrheit

Teil 3 · Total Cost of Emissions — Wenn CO₂ zum Kostenfaktor wird (dieser Beitrag)

1. Die fünf Bestandteile der TCE

Auf einen Blick – die Kernfakten

  • TCE = Emissionsmenge × Emissionspreis, ergänzt um Schattenpreise, Compliance-, Zugangs- und Transformationsrisiken.
  • 55–65 €/t beträgt der gesetzliche CO₂-Preiskorridor 2026 und 2027; ab 2028 bildet das EU-ETS 2 den Preis frei am Markt.
  • rund 21 Cent je Liter Diesel und 18 Cent je Liter Benzin beträgt der CO₂-Preisanteil aktuell inklusive Mehrwertsteuer.
  • 1,4 ct/km heute, 3–5 ct/km mit Risikoaufschlag – so groß ist die TCE eines Vielfahrer-Verbrenners je nach Preisannahme.
  • rund 0,5 ct/km erreicht ein Elektrofahrzeug nach Gegenrechnung der THG-Erlöse.
  • Die Prognosespanne für 2030 ist enorm – je nach Modell 100 bis über 250 Euro je Tonne. Genau diese Spanne ist das Argument für Szenariorechnung statt Punktwert.
Tabelle 1: Die fünf Kostenbestandteile der Total Cost of Emissions
KostenbestandteilBedeutung für Unternehmen
Externe CO₂-KostenCO₂-Bepreisung, Steuern und weitergegebene Preisbestandteile in Kraftstoff und Energie
Interner CO₂-PreisUnternehmensinterner Schattenpreis für Investitionsentscheidungen und Budgetsteuerung
Compliance und ReportingDatenbeschaffung, Emissionsberechnung, Auditfähigkeit, Software und Prozessaufwand – etwa für Nachhaltigkeitsberichte sowie Kunden- und Bankanfragen
Zugangs- und RestriktionsrisikenUmweltzonen, Zufahrtsbeschränkungen, Mautdifferenzierung, Flottenquoten, Kundenanforderungen
Finanzierungs-, Reputations- und TransformationsrisikoRatingeffekte bei Banken, Restwertrisiko emissionsstarker Fahrzeuge, monetarisierte Folgen nicht zukunftsfähiger Entscheidungen

Nur der erste Posten ist eine tatsächliche Zahlung. Die übrigen vier sind Bewertungen von Risiken und Aufwänden – und genau deshalb wird die TCE häufig gar nicht erst gerechnet. Sie taucht in keiner Rechnung auf, bis sie es tut.

2. Der CO₂-Preis: von der Abgabe zum Marktpreis

Seit 2021 wird jeder Liter Benzin und Diesel in Deutschland mit einem CO₂-Preis belegt. Bis 2025 war dieser Preis politisch festgelegt und stieg in Stufen. Seit 2026 gilt eine andere Logik – und ab 2028 eine grundsätzlich andere.

Tabelle 2: Entwicklung des CO₂-Preises auf Kraftstoffe in Deutschland (Stand: September 2026)
JahrPreis je Tonne CO₂Mechanismus
202445 €Festpreis (BEHG)
202555 €Festpreis, Ende der Festpreisphase
202655–65 €Preiskorridor, erstmals Versteigerung; Nachkauf zu 68 €
202755–65 €Korridor bleibt nach dem am 12.08.2026 beschlossenen Entwurf des 3. BEHG-Änderungsgesetzes
ab 2028MarktpreisEU-ETS 2 löst das nationale System ab; Start wurde im November 2025 von 2027 auf 2028 verschoben
2030 (Prognose)rund 100 bis über 250 €Modellrechnungen verschiedener Analysehäuser, sehr große Spannbreite
CO₂-Preis-Pfad in Deutschland bis 2030 Vom gedeckelten Preis zum Marktpreis CO₂-Preis auf Kraftstoffe in Euro je Tonne · gesetzlich bis 2027, danach Prognosespanne 0 85 170 255 45 2024 55 2025 55–65 2026 55–65 2027 Markt 2028 100 – 250+ 2030 Prognosespanne ab hier keine gesetzliche Obergrenze Quellen: BEHG / DEHSt für 2024–2027; Prognosen 2030 aus Modellrechnungen verschiedener Analysehäuser · Darstellung: Moviqon Strategy & Organisation 2026

Konkret bedeutet der heutige Preis rund 21 Cent je Liter Diesel und etwa 18 Cent je Liter Benzin inklusive Mehrwertsteuer. Ein Verbrenner mit 7 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer und 40.000 Kilometern Jahresfahrleistung trägt damit rund 560 Euro CO₂-Kosten pro Jahr. Bei 120 Euro je Tonne wäre es etwa das Doppelte, bei 250 Euro mehr als das Vierfache.

Zur Einordnung der Prognosen

Die Schätzungen für den ETS-2-Preis 2030 gehen weit auseinander: Einzelne Analysen nennen rund 100 Euro je Tonne, andere Modellpfade liegen bei 200 bis über 250 Euro. Diese Spanne ist kein Mangel der Prognosen, sondern eine Eigenschaft eines Marktes ohne gesetzliche Obergrenze. Für die Fuhrparkplanung folgt daraus nur eines: Rechnen Sie mit Szenarien, nicht mit einem Punktwert. Eine Beschaffungsentscheidung, die nur bei 100 Euro je Tonne trägt, ist keine Entscheidung, sondern eine Wette.

Ein batterieelektrisches Fahrzeug zahlt diesen Preis nicht. Der Strom ist über den bestehenden europäischen Emissionshandel bepreist, was im Strompreis bereits enthalten ist – und dieser Anteil sinkt mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien, statt zu steigen. Das ist der strukturelle Unterschied zwischen den Antrieben: Beim Verbrenner ist die Emissionskostenkurve steigend, beim Elektrofahrzeug fallend.

3. Die Systemgrenze: Welche Emissionen zählen?

Bevor gerechnet wird, muss festgelegt sein, was gerechnet wird. Drei Abgrenzungen sind üblich.

  • Tank-to-Wheel (TTW). Nur die Emissionen, die während der Fahrzeugnutzung entstehen. Einfach zu ermitteln, weil Verbrauchsdaten ohnehin vorliegen. Das Elektrofahrzeug steht hier bei null.
  • Well-to-Wheel (WTW). Zusätzlich die Emissionen aus der Bereitstellung der Energie. Relevant, weil erst hier der Strommix ins Bild kommt – und damit ein echter Vergleich zwischen Kraftstoff und Strom möglich wird.
  • Lifecycle-orientiert. Zusätzlich Fahrzeugproduktion, Batterie, Wartung und Verwertung. Die vollständigste, aber auch datenintensivste Sicht.

Für die operative Fuhrparksteuerung ist Tank-to-Wheel oder Well-to-Wheel meist pragmatisch; für strategische Beschaffung und Nachhaltigkeitsberichte kann die Lifecycle-Sicht sinnvoll sein. Wichtiger als die Wahl der Methode ist, dass sie transparent, einheitlich und über die Jahre vergleichbar bleibt. Ein Wechsel der Systemgrenze mitten in einer Zeitreihe macht jede Aussage über Fortschritt wertlos.

4. Die TCE-Formel in der Praxis

TCE (Jahr) = Σ (CO₂e je Fahrzeug × CO₂-Preis) + Compliancekosten + weitere Emissionskosten

TCE pro km = TCE im Betrachtungszeitraum ÷ gefahrene Kilometer

Die Emissionsmenge ergibt sich aus Verbrauch und Emissionsfaktor. Die maßgeblichen Werte: rund 2,65 Kilogramm CO₂ je Liter Diesel und 2,37 Kilogramm je Liter Benzin.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Ein Fahrzeug verursacht 4 Tonnen CO₂e im Jahr. Bei einem internen CO₂-Preis von 100 Euro je Tonne beträgt der TCE-Anteil 400 Euro jährlich – ein Betrag, der die TCO-Rechnung ergänzt und den Vergleich der Antriebe verschiebt.

Der interne Preis ist dabei nicht zwingend eine tatsächliche Abgabe. Er ist ein Steuerungsinstrument, das künftige Kosten und Klimawirkungen in heutigen Entscheidungen sichtbar macht. Viele Unternehmen setzen ihn bewusst über dem aktuellen Marktpreis an, um den Preis-Pfad vorwegzunehmen – genau das ist der Zweck eines Schattenpreises.

5. Die Gegenposten: THG-Quote und Förderungen

Die TCE ist keine Einbahnstraße. Für Elektrofahrzeuge lassen sich Erlöse aus der Treibhausgasminderungsquote geltend machen. Sie lagen 2026 je nach Anbieter bei rund 300 bis 375 Euro pro Fahrzeug und Jahr. Die Höhe schwankt, und der Prozess muss aufgesetzt sein – Antrag mit Fahrzeugschein, Bestätigung durch das Umweltbundesamt, Auszahlung mit Vorlauf.

Häufiger Rechenfehler

Bei Firmenfahrzeugen sind THG-Erlöse steuerpflichtige Betriebseinnahmen. Nur bei privaten Haltern sind sie steuerfrei. Wer den Bruttobetrag ungekürzt in die TCE einrechnet, überschätzt den Vorteil – je nach Steuersatz um ein Viertel bis ein Drittel.

Hinzu kommen emissionsgebundene Förderungen und steuerliche Vorteile, die wir in Teil 2 der Serie im Detail behandelt haben. Diese Posten werden gegengerechnet – mit dem Ergebnis, dass die TCE beim Verbrenner ein Aufschlag ist und beim Elektrofahrzeug nahe null oder sogar negativ ausfällt.

6. Ein Beispiel aus der Beratungspraxis

Für den Vielfahrer-Verbrenner aus Teil 2 – 40.000 Kilometer im Jahr, 48 Monate Haltedauer – lässt sich die TCE in drei Stufen aufbauen.

Tabelle 3: TCE im Vielfahrer-Segment nach Preisannahme (Modellrechnung moviqon)
AnnahmeTCE DieselUmfang
Gesetzlicher Preis 2026 (65 €/t)rund 1,4 ct/kmnur die reine CO₂-Abgabe
Mittleres Szenario (120 €/t)rund 3 ct/kmCO₂-Abgabe bei erwartetem Preispfad
Mit Risikoaufschlag und Berichtsaufwand3 bis 5 ct/kmzuzüglich Compliance, Zugangs- und Restwertrisiken
Elektrofahrzeug zum Vergleichrund 0,5 ct/kmnach Gegenrechnung der THG-Erlöse
TCE je Kilometer nach Preisannahme Emissionskosten je Kilometer Vielfahrer-Segment, 40.000 km/Jahr · Cent pro Kilometer Diesel · gesetzlicher Preis (65 €/t) 1,4 Diesel · mittleres Szenario (120 €/t) 3,0 Diesel · mit Risikoaufschlag 5,0 Elektrofahrzeug · nach THG-Erlösen 0,5

Bei 40.000 Kilometern und 48 Monaten Haltedauer summiert sich der Unterschied auf mehrere tausend Euro – mit steigender Tendenz. Und genau hier liegt die Besonderheit dieser Kostenposition: Die TCO bleibt über die Laufzeit weitgehend stabil, die TCE folgt dem Preis-Pfad nach oben. Wer heute einen 48-Monats-Vertrag für einen Verbrenner unterschreibt, kauft den CO₂-Preis von 2030 mit.

„Ab 2028 verhandelt der Markt den CO₂-Preis. Nicht die Politik."

Alexander Schuh
CEO & Founder
7. Regulatorischer Ausblick: die EU-Flottenquote

Der CO₂-Preis ist nicht der einzige regulatorische Treiber der TCE. Im Dezember 2025 hat die EU-Kommission den Vorschlag für eine Clean Corporate Vehicles Regulation (CCVR) vorgelegt. Der Ansatzpunkt ist naheliegend: Firmenflotten stehen für rund 60 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in der EU, in Deutschland sind es etwa zwei Drittel.

Wichtig zur Wirkungsweise

Die CCVR setzt die Ziele auf Ebene der Mitgliedstaaten, nicht als direkte Pflicht einzelner Unternehmen. Die nationalen Regierungen sind dafür verantwortlich, dass große Unternehmen gemeinsam den geforderten Anteil emissionsarmer Neuzulassungen erreichen – über welche Instrumente, bleibt ihnen überlassen. Für den einzelnen Fuhrpark heißt das: Die Wirkung kommt voraussichtlich indirekt, über nationale steuerliche oder förderpolitische Maßnahmen.

Der Anwendungsbereich umfasst Unternehmen ab 250 Beschäftigten und 50 Millionen Euro Umsatz. Für Deutschland nennt der Verfahrensstand Zielwerte von rund 54 Prozent bis 2030 und 95 Prozent bis 2035; über die genaue Ausgestaltung – etwa ob Plug-in-Hybride angerechnet werden – wird noch verhandelt. Das Verfahren soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Stand September 2026 ist die Verordnung nicht verabschiedet.

Für die TCE ist die CCVR trotzdem heute schon relevant, und zwar über den Posten „Zugangs- und Restriktionsrisiken“. Bei üblichen Haltedauern von 36 bis 48 Monaten fallen die Beschaffungsentscheidungen für 2030 bereits ab 2027. Wer die absehbare Richtung ignoriert, riskiert eine Flotte, die kurz vor dem Stichjahr umgestellt werden muss – unter Termindruck und zu schlechteren Konditionen.

8. TCE als Beschaffungshebel

Die TCE verändert die Antwort auf die Frage, welches Fahrzeug wirtschaftlich sinnvoll ist. Sechs Entscheidungsfelder sind davon unmittelbar betroffen:

  • Fahrzeugauswahl und Antriebsstrategie – der offensichtlichste Hebel, und der mit der größten Wirkung über die Laufzeit.
  • Dienstwagenrichtlinien – TCE-Grenzwerte je Fahrzeugklasse machen aus einer Empfehlung eine Regel. Wie sich das aufbauen lässt, zeigt unser Beitrag zu Car Policy Advanced & Mobility Policy.
  • Ersatz- und Investitionsplanung – ein Verbrenner mit langer Restlaufzeit wird über die Jahre teurer, nicht günstiger.
  • Standort- und Ladeinfrastrukturplanung – ohne Ladepunkte lässt sich die TCE nicht senken, egal welches Fahrzeug bestellt wird.
  • Ausschreibungen und Lieferantenauswahl – Emissionskosten gehören in die Bewertungsmatrix, nicht nur in die Nachhaltigkeitsanlage.
  • Mobilitätsbudgets und Mitarbeiterangebote – erst die TCE macht Bahn, Carsharing und Dienstrad mit dem Dienstwagen wirklich vergleichbar.
9. Fünf Schritte zur TCE-Einführung

Schritt 01

Systemgrenze und Ziel definieren

Soll die TCE operativ steuern, Investitionen bewerten oder das Reporting unterstützen? Von dieser Antwort hängt ab, ob Tank-to-Wheel reicht oder eine Lifecycle-Sicht nötig ist. Wer die Frage überspringt, rechnet später zweimal.

Schritt 02

Datenbasis herstellen

Energie- und Kraftstoffverbrauch, Kilometer, Fahrzeugdaten, Ladeprofile und Emissionsfaktoren konsolidieren. Beim Elektrofahrzeug ist zusätzlich der angesetzte Strommix zu dokumentieren – er entscheidet über das Ergebnis in der Well-to-Wheel-Betrachtung.

Schritt 03

CO₂-Preis festlegen

Externe Kosten, interner Schattenpreis oder – die empfehlenswerte Variante – ein Szenario mit mehreren Preisniveaus. Bewährt hat sich ein Dreiklang: 65 Euro je Tonne als heutiger gesetzlicher Wert, 120 Euro als mittleres Szenario und 200 Euro oder mehr als Stressfall. Angesichts der freien Preisbildung ab 2028 ist der Stressfall keine akademische Übung.

Schritt 04

Erlöse und Risiken einrechnen

THG-Quote und Förderungen gegenrechnen – bei Firmenfahrzeugen netto nach Steuern, nicht brutto. Regulatorische Risiken als Aufschlag je Fahrzeugklasse bewerten, etwa für Zufahrtsbeschränkungen und Restwertentwicklung.

Schritt 05

In Entscheidungen integrieren

Die TCE in Fahrzeugfreigaben, Beschaffungsvorlagen, Budgets und Managementberichte aufnehmen. Eine Kennzahl, die in keiner Vorlage auftaucht, verändert keine Entscheidung – und war dann vergebene Arbeit.

10. Grenzen des Modells

Ehrlichkeit gehört zur Methode. Die TCE beruht zu einem erheblichen Teil auf Prognosen – CO₂-Preise, Regulierung, Ratingeffekte. Drei Grenzen sollten offen benannt werden.

Erstens die Preisunsicherheit. Die Prognosespanne für 2030 reicht von rund 100 bis über 250 Euro je Tonne. Ein Ergebnis, das nur bei einem bestimmten Preis funktioniert, ist keine Entscheidungsgrundlage. Die Entscheidung sollte in allen realistischen Szenarien tragen.

Zweitens die Bewertung der weichen Posten. Compliance-Aufwand, Zugangsrisiken und Reputationseffekte lassen sich nicht so präzise beziffern wie eine CO₂-Abgabe. Wer sie ansetzt, sollte die Annahme offenlegen – sonst wird aus einer nachvollziehbaren Schätzung eine angreifbare Zahl.

Drittens die Systemgrenze. Wer nur den Betrieb betrachtet, kommt für Elektrofahrzeuge zu deutlich besseren Werten als bei Einbezug der Fahrzeugherstellung. Beide Sichtweisen sind vertretbar – sie müssen nur konsistent gewählt und dokumentiert sein.

Der wichtigste Schritt ist deshalb nicht die perfekte Formel. Entscheidend sind eine klare Methodik, belastbare Daten und die konsequente Verbindung der TCE mit der TCO. Daraus entsteht eine Mobilitätssteuerung, die wirtschaftlich und klimatisch belastbar ist.

11. Fazit & nächste Schritte

Die Total Cost of Emissions ersetzt die TCO nicht, sie ergänzt sie. Die TCO zeigt die wirtschaftliche Seite der Fahrzeugnutzung, die TCE die Kosten der Emissionen. Gemeinsam bilden beide die Total Cost of Mobility – eine Kennzahl, die Wirtschaftlichkeit, Klimawirkung und Transformationsrisiko in einer Logik verbindet. Der entscheidende Unterschied zu allen anderen Kostenblöcken im Fuhrpark: Die TCE hat eine eingebaute Wachstumskurve. Während die TCO über die Vertragslaufzeit weitgehend stabil bleibt, folgt die TCE dem CO₂-Preis-Pfad nach oben – und ab 2028 ohne gesetzliche Obergrenze.

Drei konkrete nächste Schritte: erstens die Systemgrenze festlegen und schriftlich dokumentieren, bevor die erste Zahl gerechnet wird. Zweitens den CO₂-Preis als Dreiklang aus gesetzlichem Wert, mittlerem Szenario und Stressfall definieren statt als Punktwert. Drittens ein Segment auswählen – idealerweise das mit der höchsten Laufleistung – und dort TCO und TCE gemeinsam durchrechnen. Erst diese Kombination ergibt die Entscheidungsgrundlage, um die es eigentlich geht.

„Wer heute einen Verbrenner für 48 Monate least, kauft den CO₂-Preis von 2030 mit.“

– Alexander Schuh, Geschäftsführer moviqon

TCE-Standortbestimmung

Was kosten die Emissionen Ihrer Flotte?

moviqon berät Unternehmen weltweit zur Fuhrpark- und Mobilitätsstrategie – von der Gesamtkostenrechnung über die Car Policy bis zur Elektrifizierungs-Roadmap. Unabhängig, datenbasiert und ohne Anbieterbindung.

✓ Herstellerunabhängig ✓ Szenariobasiert ✓ 15+ Jahre Erfahrung ✓ Analyse · Advice · Act

Die Serie im Überblick

Teil 1 · Total Cost of Mobility — Die neue Steuerungsgröße für Unternehmensmobilität

Teil 2 · Total Cost of Ownership — Die wirtschaftliche Wahrheit hinter jeder Fahrzeugentscheidung

Teil 3 · Total Cost of Emissions — Wenn CO₂ vom ESG-KPI zum Kostenfaktor wird

Begriffe kurz erklärt
Total Cost of Emissions (TCE)
Die monetarisierten Kosten der durch Fahrzeuge und Mobilitätsleistungen verursachten Emissionen, bezogen auf Haltedauer und Laufleistung. Grundformel: TCE = Emissionsmenge × Emissionspreis, ergänzt um Compliance-, Zugangs- und Transformationsrisiken.
Interner CO₂-Schattenpreis
Ein vom Unternehmen selbst festgelegter Preis je Tonne CO₂, der bewusst über dem gesetzlichen Preis liegen kann. Er ist keine tatsächliche Abgabe, sondern ein Steuerungsinstrument, das künftige Kosten in heutigen Entscheidungen sichtbar macht.
Tank-to-Wheel und Well-to-Wheel
Systemgrenzen der Emissionsbetrachtung. Tank-to-Wheel erfasst nur die Emissionen während der Fahrzeugnutzung, Well-to-Wheel zusätzlich die Bereitstellung der Energie – erst dadurch wird der Strommix relevant. Eine Lifecycle-Sicht bezieht darüber hinaus Produktion, Batterie und Verwertung ein.
Emissionsfaktor
Umrechnungsgröße von Verbrauch in Emissionen. Für Kraftstoffe gelten rund 2,65 Kilogramm CO₂ je Liter Diesel und 2,37 Kilogramm je Liter Benzin.
BEHG und EU-ETS 2
Das Brennstoffemissionshandelsgesetz regelt den nationalen CO₂-Preis für Kraft- und Brennstoffe; 2026 und 2027 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Ab 2028 löst das europäische Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr das nationale System mit freier Preisbildung ab.
Clean Corporate Vehicles Regulation (CCVR)
Von der EU-Kommission im Dezember 2025 vorgeschlagene Verordnung zur Elektrifizierung von Firmenflotten. Die Zielwerte werden auf Ebene der Mitgliedstaaten gesetzt, nicht als direkte Pflicht einzelner Unternehmen. Stand September 2026 nicht verabschiedet.
12. Häufige Fragen zur Total Cost of Emissions

Was ist die Total Cost of Emissions?

Die Total Cost of Emissions bündelt die monetarisierten Kosten, die durch die Emissionen von Fahrzeugen und Mobilitätsleistungen entstehen – bezogen auf Haltedauer und Laufleistung, ausgedrückt in Cent pro Kilometer. Die Grundformel lautet: TCE = Emissionsmenge × Emissionspreis. Hinzu kommen interne Schattenpreise, Compliance- und Reportingkosten, Zugangs- und Restriktionsrisiken sowie Finanzierungs- und Transformationsrisiken.

Wie hoch ist der CO₂-Preis auf Kraftstoff aktuell?

2026 gilt im nationalen Emissionshandel ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂; für 2027 sieht der am 12. August 2026 beschlossene Entwurf des Dritten BEHG-Änderungsgesetzes denselben Korridor vor. Umgerechnet entspricht das rund 21 Cent je Liter Diesel und etwa 18 Cent je Liter Benzin inklusive Mehrwertsteuer. Ab 2028 löst das EU-ETS 2 das nationale System ab, dann bildet sich der Preis frei am Markt.

Wie berechnet man die TCE eines Fahrzeugs?

Die Emissionsmenge ergibt sich aus Verbrauch und Emissionsfaktor – rund 2,65 Kilogramm CO₂ je Liter Diesel, 2,37 Kilogramm je Liter Benzin. Diese Menge wird mit dem angesetzten CO₂-Preis multipliziert und um Compliance- und weitere Emissionskosten ergänzt. Beispiel: Ein Fahrzeug mit 4 Tonnen CO₂e im Jahr kommt bei einem internen Preis von 100 Euro je Tonne auf einen TCE-Anteil von 400 Euro jährlich. Für den Vergleich wird auf den Kilometer normiert.

Wie hoch ist die TCE eines Verbrenners im Vergleich zum Elektrofahrzeug?

In einer Modellrechnung für ein Vielfahrer-Segment mit 40.000 Kilometern Jahresfahrleistung liegt die reine CO₂-Abgabe eines Diesels beim heutigen gesetzlichen Preis bei rund 1,4 Cent je Kilometer. Bei 120 Euro je Tonne sind es etwa 3 Cent; mit Risikoaufschlag und Berichtsaufwand landet die TCE in der Größenordnung von 3 bis 5 Cent. Ein Elektrofahrzeug kommt nach Gegenrechnung der THG-Erlöse auf rund 0,5 Cent je Kilometer.

Welchen CO₂-Preis sollte man für die Zukunft ansetzen?

Es gibt keinen einzelnen richtigen Wert. Die Prognosen für 2030 gehen weit auseinander: Einzelne Analysen nennen rund 100 Euro je Tonne, andere Modellpfade liegen bei 200 bis über 250 Euro. Empfehlenswert ist deshalb ein Szenario-Dreiklang aus gesetzlichem Wert (65 Euro), mittlerem Szenario (etwa 120 Euro) und Stressfall (200 Euro oder mehr). Eine Beschaffungsentscheidung sollte in allen drei Szenarien tragen.

Was ist der Unterschied zwischen Tank-to-Wheel und Well-to-Wheel?

Tank-to-Wheel erfasst nur die Emissionen, die während der Fahrzeugnutzung entstehen; das Elektrofahrzeug steht hier bei null. Well-to-Wheel bezieht zusätzlich die Emissionen aus der Bereitstellung der Energie ein – erst dadurch wird der Strommix relevant und ein echter Vergleich zwischen Kraftstoff und Strom möglich. Für die operative Fuhrparksteuerung ist meist eine der beiden Sichtweisen pragmatisch, für strategische Beschaffung und Nachhaltigkeitsberichte kann eine Lifecycle-Betrachtung sinnvoll sein.

Mindern THG-Erlöse die TCE?

Ja. Halter rein batterieelektrischer Fahrzeuge können die eingesparten Emissionen über die Treibhausgasminderungsquote vermarkten; die Erlöse lagen 2026 je nach Anbieter bei rund 300 bis 375 Euro pro Fahrzeug und Jahr. Wichtig für Fuhrparks: Bei Firmenfahrzeugen sind diese Erlöse steuerpflichtige Betriebseinnahmen, anders als bei privaten Haltern. Wer den Bruttobetrag ungekürzt einrechnet, überschätzt den Vorteil.

Was ist die Clean Corporate Vehicles Regulation?

Ein im Dezember 2025 von der EU-Kommission vorgelegter Verordnungsvorschlag zur Elektrifizierung von Firmenflotten. Wichtig für die Einordnung: Die Zielwerte werden auf Ebene der Mitgliedstaaten gesetzt, nicht als direkte Pflicht einzelner Unternehmen – die nationalen Regierungen verantworten die Zielerreichung. Der Anwendungsbereich umfasst Unternehmen ab 250 Beschäftigten und 50 Millionen Euro Umsatz; für Deutschland nennt der Verfahrensstand rund 54 Prozent bis 2030 und 95 Prozent bis 2035. Stand September 2026 ist die Verordnung nicht verabschiedet.

Wie hängen TCO, TCE und TCM zusammen?

Die TCO zeigt die wirtschaftliche Seite der Fahrzeugnutzung, die TCE die Kosten der Emissionen. Gemeinsam bilden sie die Total Cost of Mobility: TCM = TCO + TCE. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Säulen liegt in ihrer Entwicklung – die TCO bleibt über die Vertragslaufzeit weitgehend stabil, die TCE folgt dem CO₂-Preis-Pfad nach oben und ab 2028 ohne gesetzliche Obergrenze.

Alexander Schuh – Geschäftsführer und Spezialist für Fuhrparkstrategie bei Moviqon
Autor: Alexander Schuh – Moviqon Strategy & Organisation

Spezialist für Organisationsentwicklung, Effizienzprogramme und datenbasierte Transformationsprozesse. Er begleitet Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Strukturen, der Reduktion operativer Komplexität und der Entwicklung skalierbarer Prozesse unter hohem Kostendruck.

„Der CO₂-Preis verhandelt nicht. Er steht in der Rechnung.“

Weitere Inhalte: Moviqon-Blog · Über Moviqon

✍️ In Zusammenarbeit mit Sophie – Content Strategin bei YellowFrog mit Fokus auf strukturierte Daten, semantische Inhalte und AI SEO.

Expertenwissen für schnellere Entscheidungen

Kostenlose Erstberatung vereinbaren
Maßgeschneiderte Lösungen entdecken
Grundlage für Ihren Wettbewerbsvorteil schaffen