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Leasingausschreibung im Fuhrpark

Leasingausschreibung im Fuhrpark
Leasingausschreibung im Fuhrpark 2026: Struktur, Daten und Marktverständnis als Hebel für bessere Entscheidungen

Warum die Leasingrate selten der wichtigste Vergleichswert ist – und wie Unternehmen mit klarer Vorbereitung, sauberer Datenbasis und einer durchdachten Bewertungslogik echten Mehrwert aus dem Markt holen.

„Der Dienstleister muss zum Kunden passen und nicht der Kunde zum Dienstleister. Genau hier entscheidet sich, ob eine Ausschreibung Ergebnisse bringt – oder nur Angebote." – Alexander Schuh, Moviqon Strategy & Organisation

Eine Leasingausschreibung im Fuhrpark ist ein strukturierter Vergabeprozess, mit dem Unternehmen Leasingdienstleister anhand vergleichbarer Konditionen, Servicebausteine und Vertragsbedingungen auswählen. Die Qualität wird dabei nicht im Excel-Vergleich der Raten entschieden, sondern in der Vorbereitung: Zieldefinition, Datenbasis und Bewertungslogik. Der europäische Leasingmarkt wuchs laut Global Market Insights 2025 auf rund 90,6 Mrd. USD; Deutschland ist mit ca. 27 % Marktanteil der größte Einzelmarkt – mit Ayvens, Arval, Alphabet, Athlon und Leasys als den dominierenden fünf Anbietern.

Der Markt ist 2026 in Bewegung wie selten zuvor: die Fusion von ALD und LeasePlan zu Ayvens, die Verschiebung der Restwerte zwischen Verbrennern und Elektrofahrzeugen, die neuen BMF-Vorgaben zu Heimladekosten und die Rückkehr der staatlichen E-Auto-Förderung mit bis zu 6.000 € pro Fahrzeug verändern die Kalkulationsgrundlagen erheblich. Wer diesen Markt gestalten statt nur konsumieren will, braucht mehr als Angebotsvergleiche.

Dieser Beitrag liefert Fuhrpark-, Einkaufs- und Finanzverantwortlichen eine fundierte Einordnung – von den Modellen über die Datenbasis bis zur konkreten Strukturierung der Ausschreibungsunterlagen. Eine vertiefte methodische Schritt-für-Schritt-Anleitung von Alexander Schuh finden Sie zudem im bfp-Fachbeitrag „Fuhrpark-Ausschreibungen richtig vorbereiten" auf fuhrpark.de – als ergänzende Lektüre für die Projektplanung.

Inhaltsverzeichnis
  1. Vom Einkaufsvorgang zum Steuerungsinstrument
  2. Leasingmodelle 2026: Operating-, Finance-Lease, Auto-Abo, Mobilitätsbudget
  3. Der Anbietermarkt: Wer dominiert 2026?
  4. TCO statt Leasingrate: Die zentrale Steuerungsgröße
  5. Restwertstrategie: BEV vs. Verbrenner
  6. Datenbasis als Voraussetzung jeder Ausschreibung
  7. Struktur und Vergleichbarkeit: Das Design der Ausschreibung
  8. Marktsondierung mit RFI vor der eigentlichen Ausschreibung
  9. Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
  10. Praxisbeispiel: Mittelstand mit 120 Fahrzeugen
  11. Fazit & nächste Schritte
  12. Häufige Fragen zur Leasingausschreibung
1. Vom Einkaufsvorgang zum Steuerungsinstrument

In vielen Organisationen wird Leasing als operative Beschaffung behandelt. Tatsächlich beeinflusst es zentrale Unternehmensgrößen: die Kostenstruktur über mehrere Jahre, die Liquiditätsplanung, die Risikoverteilung (insbesondere Restwerte), die Flexibilität der Flotte und die Umsetzbarkeit von Nachhaltigkeitszielen. Eine Leasingausschreibung ist damit immer auch eine strategische Entscheidung – und sollte als solche geführt werden.

Vom Einkaufsvorgang zum Steuerungsinstrument Zwei Spalten zeigen die traditionelle Sicht auf Leasingausschreibungen als reinen Angebotsvergleich und die moderne Sicht als strategisches Steuerungsinstrument für Kosten, Risiko und Mobilitätsstrategie. Vom Einkaufsvorgang zum Steuerungsinstrument Der Perspektivwechsel, der Ausschreibungserfolg möglich macht Traditionell · Einkaufsvorgang • Drei Angebote einholen, Raten vergleichen • Fokus auf monatliche Leasingrate • Bewertung erst nach Angebotseingang • Daten unvollständig, Annahmen der Anbieter • Einkauf entscheidet alleine Ergebnis: Angebote, aber keine Entscheidungsgrundlage Modern · Steuerungsinstrument • Ziele & KPIs vorab definieren • Total Cost of Ownership im Fokus • Scoring-Matrix vor Versand fertig • Saubere Datenbasis als Grundlage • Cross-funktionales Steuerungsgremium Ergebnis: Belastbare strategische Entscheidung Quelle: Moviqon Strategy & Organisation – Ausschreibungs-Framework 2026
2. Leasingmodelle 2026: Operating-, Finance-Lease, Auto-Abo, Mobilitätsbudget

Bevor eine Ausschreibung sinnvoll gestartet werden kann, muss das richtige Modell gewählt sein. 2026 stehen vier relevante Optionen zur Verfügung – mit unterschiedlichen Kosten-, Risiko- und Bilanzwirkungen.

Operating-Lease (Full-Service-Leasing)

Das in Deutschland dominierende Modell für gewerbliche Flotten. Der Leasinggeber trägt das Restwertrisiko, das Fahrzeug wird am Ende zurückgegeben. Servicebausteine wie Wartung, Verschleiß, Reifen, Schadenmanagement und GAP-Versicherung sind frei zubuchbar. Bilanziell wird das Fahrzeug nach HGB nicht aktiviert (Off-Balance-Sheet); nach IFRS 16 entsteht jedoch seit 2019 in der Regel eine Bilanzwirkung beim Leasingnehmer.

Finance-Lease (Kilometer- oder Restwertvertrag)

Hier trägt der Leasingnehmer das Restwertrisiko anteilig oder vollständig. Die Raten sind in der Regel niedriger, dafür greifen am Vertragsende Nachverrechnungen oder Mehrerlös-Beteiligungen. Sinnvoll bei Fahrzeugen mit gut prognostizierbaren Restwerten und hoher Nutzungsdisziplin.

Auto-Abo

Ein Hybrid aus Langzeitmiete und Leasing mit kurzen Laufzeiten (häufig 3–24 Monate), All-inclusive-Charakter und hoher Flexibilität. Sinnvoll für Probierphasen, Projektmitarbeitende oder wenn die Restwertentwicklung unklar ist – etwa bei einzelnen BEV-Modellen mit unsicherer Marktposition. Die Kosten pro Monat liegen meist über klassischem Leasing.

Mobilitätsbudget

Kein Fahrzeug, sondern ein monatlicher Betrag, den Mitarbeitende flexibel für ÖPNV, Bike, Carsharing oder Auto einsetzen können. Steuerlich attraktiv über § 8 EStG (Sachbezug), § 37b EStG (Pauschalversteuerung) und § 3 Nr. 15 EStG (ÖPNV-Zuschuss). Mehr dazu in unserem Beitrag Car Policy Advanced & Mobility Policy.

Die Modellwahl ist keine reine Finanzfrage, sondern eine strategische Entscheidung über Risiko, Flexibilität, Bilanz und Mitarbeitendenbindung. Eine Ausschreibung sollte das Modell bereits gesetzt haben – nicht den Anbietern überlassen.

3. Der Anbietermarkt: Wer dominiert 2026?

Der europäische Leasingmarkt ist konsolidiert. Laut aktueller Marktanalyse hielten 2025 die fünf größten Anbieter zusammen rund 33 % Marktanteil; Ayvens (entstanden aus der Fusion von ALD Automotive und LeasePlan) ist mit über 15 % Marktführer. Daneben prägen Arval (BNP Paribas), Alphabet (BMW Group), Athlon (Mercedes-Benz Mobility) und Leasys (Stellantis) den Markt. Ergänzend relevante Anbieter sind Sixt Leasing, Free2Move, Mobility Concept und Hertz Lease.

Anbietermarkt 2026: Konsolidierung und Profile Übersicht der dominierenden Leasinganbieter in Europa mit Marktanteil, Mutterkonzern und strategischem Profil. Europäischer Leasingmarkt 2026: Wer dominiert? Top-5-Anbieter mit ca. 33 % Marktanteil, Markt ca. 99 Mrd. USD Ayvens (Société Générale) Marktführer · >15 % EU-Marktanteil Fusion ALD + LeasePlan (2024) Stark in Multi-Country-Flotten Ayvens Car Cost Index als Branchen-Referenz Arval (BNP Paribas) >1,75 Mio. Fahrzeuge global 8.600+ Mitarbeitende, 28 Länder Stark im Full-Service & E-Mobilität Arval Mobility Observatory als Studie Alphabet BMW Group Tochter OEM-Captive-Leasing Stark bei Premium- Flottenkunden Athlon Mercedes-Benz Mobility Mobility-Solution-Fokus Starke Multi-Brand- Strategie Leasys Stellantis-Captive Joint Venture mit Crédit Agricole Consumer Fin. Multi-Brand Quelle: Global Market Insights 2025/26 · Moviqon Strategy & Organisation

Der Markt wächst kontinuierlich – von 90,6 Mrd. USD in 2025 auf erwartete 99 Mrd. USD in 2026. Für Ausschreibungen bedeutet das: Es gibt genügend Wettbewerb, um echte Steuerung zu erreichen. Wichtig ist nur, die Anbietergröße an die eigene Flottengröße anzupassen – ein 30-Fahrzeug-Mittelständler ist bei einem mittelständischen Spezialdienstleister oft besser aufgehoben als beim europaweiten Marktführer.

4. TCO statt Leasingrate: Die zentrale Steuerungsgröße

Der häufigste strategische Fehler in Leasingausschreibungen ist die Fokussierung auf die monatliche Rate. Eine niedrige Rate kann durch optimistische Restwertannahmen, reduzierte Servicebausteine oder versteckte Zusatzkosten entstehen. Die Total Cost of Ownership (TCO) integriert alle Kostenbestandteile über die Vertragslaufzeit.

TCO-Komponenten im Fuhrpark Sieben Kostenblöcke: Leasingrate, Treibstoff/Strom, Wartung und Reifen, Versicherung, Schäden und Selbstbeteiligung, Verwaltungsaufwand, Steuern und Abgaben. TCO im Fuhrpark: Sieben Kostenblöcke Warum die Leasingrate selten 60 % der Gesamtkosten ausmacht 01 · Leasingrate inkl. Servicebausteine · ca. 50–60 % der TCO 02 · Treibstoff oder Strom · ca. 15–25 % 03 · Wartung, Verschleiß, Reifen · ca. 5–10 % 04 · Versicherung & GAP · ca. 5–8 % 05 · Schäden, Selbstbeteiligungen, Mehrkilometer · ca. 3–8 % 06 · Verwaltungsaufwand & Tools + 07 · Steuern & Abgaben · ca. 3–8 % Bandbreiten als Praxisrichtwerte · Quelle: Moviqon Strategy & Organisation 2026
Beispielrechnung Mittelklasse-Diesel

Ein Mittelklasse-Diesel wird mit einer Leasingrate von 450 € pro Monat angeboten. In der vollständigen TCO-Betrachtung kommen typischerweise hinzu: Treibstoff ca. 180 €, Wartung/Reifen ca. 55 €, Versicherung ca. 50 €, Schaden- und Risikokosten ca. 25 €, Verwaltung ca. 30 €. Die tatsächliche TCO liegt damit bei rund 790 €/Monat – also deutlich über der Leasingrate. Wer Anbieter nur auf Basis der Rate vergleicht, verfehlt 40 % der relevanten Kostenbasis.

5. Restwertstrategie: BEV vs. Verbrenner

Die Restwertentwicklung ist 2026 der zentrale Stellhebel jeder Leasingkalkulation – und das größte verdeckte Risiko vieler Ausschreibungen. Laut Deutscher Automobil-Treuhand (DAT) erreichen Elektrofahrzeuge nach drei Jahren im Schnitt nur rund 50 % Restwert, während Verbrenner bei über 62 % liegen. Diese Differenz schlägt direkt in die Leasingrate durch und verändert die Wirtschaftlichkeitslogik vieler Antriebsentscheidungen.

Drei Konsequenzen für die Ausschreibung: Erstens muss die Frage „Wer trägt das Restwertrisiko?" explizit beantwortet sein – Operating-Lease oder Finance-Lease. Zweitens sollten Anbieter ihre Restwertannahmen offenlegen und begründen müssen, nicht nur als Endbetrag liefern. Drittens lohnt es sich bei BEV-lastigen Flotten, gezielt Anbieter mit ausgeprägter Wiedervermarktungskompetenz einzubeziehen – etwa Ayvens und Arval mit ihren etablierten Remarketing-Kanälen.

„Der Preis entsteht in der Ausschreibung. Die Kosten entstehen danach."

Alexander Schuh
CEO & Founder
6. Datenbasis als Voraussetzung jeder Ausschreibung

Eine Leasingausschreibung ohne saubere Datenbasis ist ein Glücksspiel. Anbieter müssen Annahmen treffen, die direkt in Restwerte und Risikozuschläge einfließen – meist konservativ und damit zu Lasten Ihrer Konditionen. Eine professionelle Datenbasis enthält fünf Bausteine.

Vollständige Fahrzeugliste

Marken, Modelle, Antriebsarten, Erstzulassung, Restlaufzeit, Kilometerstände, Fahrzeugsegment. Wichtig: aktuell, nicht ein Jahr alt.

Nutzungsprofile

Dienstwagen, Poolfahrzeuge, Servicefahrzeuge, Carsharing-Pools – jeweils mit typischer Jahreslaufleistung, Einsatzart (Stadt, Überland, Mischung) und Halterstruktur (Pendler, Außendienst, gewerblich).

Historische Kostenstruktur

Mindestens 24 Monate rückblickend: tatsächliche Leasingraten, Werkstattkosten, Reifen, Versicherung, Schäden, Verwaltungskosten. Nur so können Anbieter belastbar kalkulieren – und nur so können Sie Angebote validieren.

Aktuelle Richtlinien

Car Policy, Ausstattungsstandards, Fahrzeugklassen, CO₂-Vorgaben, Markenliste, Sonderausstattungs-Standards. Mehr dazu in unserem Beitrag Car Policy: Grundlagen und Struktur.

Internationaler Kontext

Bei Multi-Country-Flotten kommen länderspezifische Unterschiede dazu – Steuern, Restwerte, Service-Netze, Marktdynamik. Zentrale Ausschreibungen ohne diese Granularität führen regelmäßig zu Konflikten zwischen Konzernzentrale und lokalen Gesellschaften.

Eine vertiefte methodische Anleitung zur Datenaufbereitung beschreibt der bfp-Fachbeitrag „Fuhrpark-Ausschreibungen richtig vorbereiten" – insbesondere die Sechs-Schritte-Logik von Zieldefinition bis Entscheidungsfähigkeit.

7. Struktur und Vergleichbarkeit: Das Design der Ausschreibung

Eine der größten Herausforderungen ist die Vergleichbarkeit von Angeboten. Wenn jeder Anbieter sein eigenes Format wählt, eigene Restwertlogiken nutzt und Servicebausteine unterschiedlich bündelt, ist eine objektive Bewertung praktisch unmöglich. Standardisierung ist der Schlüssel.

Einheitliche Vorgaben

Identische Laufzeiten (z. B. 36/48 Monate), identische Kilometerleistungen (z. B. 20.000/30.000 km/Jahr), klar definierte Fahrzeugsegmente (Bruttolistenpreis-Bereiche statt einzelner Modelle), explizit aufgelistete Servicebestandteile (Wartung, Verschleiß, Reifen, GAP, Schadenmanagement, Tank-/Ladekarten). Nur so lassen sich Angebote objektiv vergleichen.

Verbindliche Angebotsstruktur

Anbieter müssen ihre Angebote in einer vorgegebenen Struktur abgeben: Leasingrate, Restwertannahme, Servicekosten getrennt nach Baustein, Mehrkilometer-/Minderkilometerpauschalen, Vertragsbedingungen, Kündigungsoptionen, Verlängerungslogik. Keine Interpretationsspielräume, keine kreativen Verpackungen.

Leasingfaktor als Vergleichswert

Eine pragmatische KPI für die Vergleichbarkeit ist der Leasingfaktor: Leasingrate ÷ Bruttolistenpreis × 36 (für 36-monatige Laufzeit). Werte zwischen 0,80 und 1,10 sind 2026 marktüblich; Faktoren unter 0,70 sollten skeptisch geprüft werden – sie deuten meist auf optimistische Restwerte oder reduzierte Servicebestandteile hin.

Bewertungslogik vor Versand

Eine verbindliche Scoring-Matrix muss vor Versand der Unterlagen feststehen. Welche Gewichtung haben Preis (z. B. 40 %), Servicequalität (25 %), Prozessintegration (15 %), Nachhaltigkeit (10 %) und Innovation (10 %)? Diese Logik zwingt das Projektteam zu Prioritäten und reduziert spätere Diskussionen erheblich.

8. Marktsondierung mit RFI vor der eigentlichen Ausschreibung

Nicht jeder Anbieter passt zu jeder Flotte. Ein Request for Information (RFI) vor der eigentlichen Ausschreibung filtert die Anbieter, die die grundsätzlichen Anforderungen erfüllen können – Flottengröße, geografische Abdeckung, IT-Schnittstellen, Reporting-Tiefe, Servicequalität. Erst danach wird der eigentliche Request for Proposal (RFP) versendet.

Typische Muss-Kriterien im RFI

Abdeckung der relevanten Länder oder Regionen, nachgewiesene Erfahrung mit vergleichbaren Flottengrößen und -strukturen, standardisierte Schnittstellen zu HR-, Finance- und Fuhrpark-Systemen, definierte Service-Level (24/7-Hotline, Reparaturzeiten, Mobilitätsgarantien), Compliance, Nachhaltigkeit und Datenschutz.

Nice-to-have-Kriterien

Davon zu trennen sind Pluspunkte: digitale Self-Service-Portale für Fahrer, Telematik-Integration, KI-gestützte Dashboards, ESG-Reporting für CSRD, Wallbox-Integration. Diese fließen in die Bewertung ein, sind aber kein Ausschlusskriterium.

9. Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Aus zahlreichen Ausschreibungsbegleitungen lassen sich fünf Muster destillieren, die immer wieder Erfolg verhindern.

Fehler 1: Fokus auf den Preis. Lösung: TCO-basierte Bewertung mit Scoring-Matrix vor Versand.

Fehler 2: Zu wenige Anbieter. Lösung: Mindestens fünf Anbieter im RFI, daraus drei bis vier im RFP.

Fehler 3: Unklare Anforderungen. Lösung: Standardisierte Ausschreibungsunterlagen mit verbindlichen Templates.

Fehler 4: Fehlende interne Abstimmung. Lösung: Steuerungsgremium aus Einkauf, Finance, HR, Fuhrpark, IT von Anfang an.

Fehler 5: Zeitdruck. Lösung: Realistische Planung – größere Ausschreibungen brauchen typischerweise 9 bis 12 Monate von der Teambildung bis zur Vertragsunterzeichnung.

10. Praxisbeispiel: Mittelstand mit 120 Fahrzeugen

Ein mittelständisches Unternehmen mit 120 Fahrzeugen führte über Jahre eine eingespielte Beziehung zu einem einzigen Leasinganbieter. Die Verlängerungsrunden wurden routinemäßig akzeptiert, ein systematischer Vergleich hatte zuletzt vor sieben Jahren stattgefunden. Auf den ersten Blick funktionierte das Setup – die Raten erschienen marktüblich.

Die strukturierte Neuausschreibung lief in vier Phasen: Datenkonsolidierung über drei Monate (inklusive Bereinigung historischer Schadenkostenzuordnungen), RFI mit acht Anbietern, RFP mit fünf Anbietern, Vertragsverhandlung mit drei Finalisten. Ergebnis nach insgesamt zehn Monaten: vergleichbare Servicequalität bei messbar verbesserten Konditionen, deutlich klarere Vertragsregelungen zu Mehrkilometern und Schadenstaxierung – und vor allem eine cross-funktional getragene Entscheidung, die in der Geschäftsleitung gut argumentierbar war.

Die Mehrarbeit der zehn Monate hat sich über den 48-monatigen Vertragszyklus mehrfach amortisiert. Wichtiger noch: Das Unternehmen hat eine Datenbasis und ein Bewertungsraster aufgebaut, das für die nächste Ausschreibung in vier Jahren als Grundlage dient.

11. Fazit & nächste Schritte

Leasingausschreibungen entfalten ihren Mehrwert nur dann, wenn sie als strategisches Steuerungsinstrument verstanden werden – nicht als Angebotsrunde. Drei Erfolgsfaktoren entscheiden: erstens die Klarheit der Ziele und die Wahl des passenden Modells (Operating-Lease, Finance-Lease, Auto-Abo, Mobilitätsbudget). Zweitens die Qualität der Datenbasis, ohne die kein Anbieter belastbar kalkulieren kann und die einzige Grundlage für TCO-Vergleichbarkeit liefert. Drittens eine standardisierte Struktur mit Bewertungslogik vor Versand, die die Vergleichbarkeit der Angebote sichert und interne Diskussionen reduziert. Wer diese drei Hebel beherrscht, gewinnt nicht nur bessere Konditionen, sondern echte strategische Orientierung in einem zunehmend komplexen Markt.

Für die methodische Tiefe der Vorbereitung empfehlen wir den ergänzenden Lese-Tipp: „Fuhrpark-Ausschreibungen richtig vorbereiten" auf fuhrpark.de mit der bewährten Sechs-Schritte-Logik von der Zieldefinition bis zur internen Entscheidungsfähigkeit.

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12. Häufige Fragen zur Leasingausschreibung
1. Was ist eine Leasingausschreibung im Fuhrpark?

Eine Leasingausschreibung ist ein strukturierter Vergabeprozess, mit dem Unternehmen Leasingdienstleister anhand vergleichbarer Konditionen, Servicebausteine und Vertragsbedingungen auswählen. Sie umfasst typischerweise einen Request for Information (RFI) zur Marktsondierung und einen anschließenden Request for Proposal (RFP) mit den Finalisten.

2. Operating-Lease oder Finance-Lease – was ist der Unterschied?

Beim Operating-Lease (Full-Service-Leasing) trägt der Leasinggeber das Restwertrisiko, das Fahrzeug wird am Ende zurückgegeben. Beim Finance-Lease (Kilometer- oder Restwertvertrag) trägt der Leasingnehmer das Restwertrisiko anteilig oder vollständig – die Raten sind in der Regel niedriger, dafür greifen am Vertragsende Nachverrechnungen.

3. Was ist der Leasingfaktor und wie wird er berechnet?

Der Leasingfaktor ist eine zentrale KPI für die Vergleichbarkeit von Leasingangeboten: Leasingrate ÷ Bruttolistenpreis × 36 (für 36-monatige Laufzeit). Werte zwischen 0,80 und 1,10 sind 2026 marktüblich; Faktoren unter 0,70 sollten skeptisch geprüft werden – sie deuten meist auf optimistische Restwerte oder reduzierte Servicebausteine hin.

4. Warum ist die Leasingrate als Vergleich nicht ausreichend?

Eine niedrige Rate kann durch optimistische Restwertannahmen, reduzierte Servicebausteine oder versteckte Zusatzkosten entstehen. Die Total Cost of Ownership (TCO) integriert alle Kostenbestandteile über die Laufzeit – Leasingrate, Treibstoff/Strom, Wartung, Reifen, Versicherung, Schäden und Verwaltung. Die tatsächliche TCO liegt regelmäßig 30–50 % über der reinen Leasingrate.

5. Wie unterscheiden sich BEV- und Verbrenner-Restwerte?

Laut Deutscher Automobil-Treuhand (DAT) erreichen Elektrofahrzeuge nach drei Jahren im Schnitt rund 50 % Restwert, Verbrenner liegen bei über 62 %. Diese Differenz schlägt direkt in die Leasingraten durch. Bei BEV-lastigen Flotten lohnt sich gezielt der Einbezug von Anbietern mit ausgeprägter Wiedervermarktungskompetenz.

6. Wer sind die wichtigsten Leasinganbieter in Europa 2026?

Die Top 5 sind Ayvens (Marktführer mit über 15 % Marktanteil, entstanden aus ALD und LeasePlan), Arval (BNP Paribas), Alphabet (BMW Group), Athlon (Mercedes-Benz Mobility) und Leasys (Stellantis). Sie halten zusammen rund 33 % des europäischen Marktes von ca. 99 Mrd. USD.

7. Wie lange dauert eine professionelle Leasingausschreibung?

Größere internationale Ausschreibungen brauchen typischerweise 9 bis 12 Monate von der Teambildung bis zur Vertragsunterzeichnung. Datenaufbereitung, Benchmarking, RFI, RFP, Verhandlungen und interne Freigaben benötigen entsprechend Zeit. Ein klar definierter Projektplan mit Meilensteinen ist daher essenziell.

8. Was ist der Unterschied zwischen RFI und RFP?

Ein Request for Information (RFI) dient der Marktsondierung – Anbieter zeigen ihre grundsätzliche Eignung. Ein Request for Proposal (RFP) ist die eigentliche Ausschreibung mit verbindlichen Konditionen und Bewertungskriterien. Die zweistufige Logik filtert frühzeitig nicht passende Anbieter aus und reduziert den Aufwand in der späteren Bewertung erheblich.

Alexander Schuh – TÜV-zertifizierter Fuhrparkmanager und Geschäftsführer Moviqon
Autor: Alexander Schuh – Moviqon Strategy & Organisation

TÜV-zertifizierter Fuhrparkmanager und Geschäftsführer der Marken moviqon, carvion und truckvion. Berät Unternehmen strategisch zu betrieblicher Mobilität, Leasingausschreibungen und effizientem Fuhrparkmanagement. Veröffentlicht regelmäßig auf bfp / fuhrpark.de.

Weitere Inhalte: Moviqon-Blog · Über Moviqon · Fachbeiträge auf bfp / fuhrpark.de

✍️ In Zusammenarbeit mit Sophie – Content Strategin bei YellowFrog mit Fokus auf strukturierte Daten, semantische Inhalte und AI SEO.

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