
Kategorie: Fuhrpark & Mobilität
Warum die Leasingrate die falsche Kennzahl ist – und was TCO und TCE zusammen sichtbar machen.
„Wer E-Autos für zu teuer hält, rechnet nicht richtig. Wer TCM rechnet, rechnet vollständig.“
– Alexander Schuh, Geschäftsführer moviqon
Die Total Cost of Mobility (TCM) ist eine Steuerungskennzahl, die die wirtschaftlichen Gesamtkosten der Mobilität eines Unternehmens mit den monetarisierten Kosten der dabei verursachten Emissionen zusammenführt. Sie besteht aus zwei Bestandteilen: der Total Cost of Ownership (TCO) und der Total Cost of Emissions (TCE). Damit beantwortet TCM nicht nur die Frage, was ein Fahrzeug kostet, sondern was die Mobilität eines Unternehmens insgesamt kostet – heute und unter künftigen Preis-, Klima- und Regulierungsbedingungen.
Fuhrparkentscheidungen wurden lange nach Anschaffungspreis, Leasingrate oder klassischer TCO getroffen. Diese Betrachtung bleibt unverzichtbar – sie bildet aber nicht alle Kosten ab, die aus Mobilität entstehen oder künftig entstehen werden. Die klassische TCO-Rechnung hat eine Grenze: Sie endet am Auspuff. Was Emissionen kosten – heute über den CO₂-Preis, morgen über Quoten, Berichtspflichten und Finanzierungskonditionen – taucht in ihr nicht auf.
Dieser Beitrag eröffnet unsere dreiteilige Serie „Was Mobilität wirklich kostet“ und liefert das Gesamtbild. Die Herleitung der Einzelwerte folgt in Teil 2 und Teil 3. Wie sich die Logik in der Praxis auswirkt, zeigt ergänzend unsere Analyse zur TCO-Falle im Fuhrpark.
Serie: Was Mobilität wirklich kostet
Teil 1 · Total Cost of Mobility — Das Gesamtbild (dieser Beitrag)
Teil 2 · Total Cost of Ownership — Die wirtschaftliche Wahrheit hinter jeder Fahrzeugentscheidung
Teil 3 · Total Cost of Emissions — Wenn CO₂ vom ESG-KPI zum Kostenfaktor wird
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick – die Kernfakten
Der Markt hat die Gesamtkostenlogik längst übernommen. In der Flottenstudie von Dataforce im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland bewerten 59 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen die Gesamtkosten eines Elektro-Pkw besser als die eines vergleichbaren Verbrenners; 74 Prozent derjenigen, die E-Fahrzeuge einsetzen oder deren Anschaffung planen, nennen die Wirtschaftlichkeit als wichtigsten Treiber der Elektrifizierung.
Doch die Rechnung bleibt unvollständig. CO₂-Bepreisung, Nachhaltigkeitsziele, Kundenanforderungen und Berichtspflichten verändern die Entscheidungsgrundlage – und keiner dieser Faktoren erscheint in einer klassischen TCO-Kalkulation. Unternehmen brauchen deshalb eine Kennzahl, die finanzielle und emissionsbezogene Wirkungen zusammenführt.
Die Total Cost of Mobility erweitert die TCO-Betrachtung um die emissionsbezogenen Kosten der Mobilität. In der Definition von moviqon gilt:
| Dimension | Kernfrage | Typische Bestandteile |
|---|---|---|
| TCO | Was kostet das Fahrzeug wirtschaftlich? | Leasing bzw. Abschreibung, Finanzierung, Versicherung, Energie oder Kraftstoff, Wartung, Reifen, Reparaturen, Verwaltung, Standzeiten, Restwert |
| TCE | Welche Kosten entstehen durch Emissionen? | Externe CO₂-Kosten, interne CO₂-Preise, Maut- und Zufahrtsrisiken, Reporting, Datenmanagement, Compliance, klimainduzierte Preis- und Restwertrisiken |
Die Kombination beider Perspektiven schafft eine belastbarere Grundlage für Beschaffung, Car Policy, Antriebsstrategie, Budgetierung und Flottenumstellung.
1. Mobilitätsentscheidungen werden vergleichbar
Ein Fahrzeug mit niedriger Leasingrate ist nicht automatisch die günstigste Lösung. Hoher Verbrauch, ungünstige Restwerte oder künftige Emissionskosten heben den Preisvorteil auf. TCM vergleicht auf Augenhöhe – Diesel, Plug-in-Hybrid, batterieelektrisches Fahrzeug, Carsharing oder Mobilitätsbudget, alle auf derselben Kilometerbasis.
2. Emissionskosten werden steuerbar
Ohne monetäre Zuordnung bleiben Emissionen ein separater ESG-Kennwert neben der Wirtschaftlichkeit. Mit der TCE werden sie Teil der ökonomischen Steuerung: Unternehmen erkennen, welche Fahrzeuge, Nutzergruppen, Standorte oder Fahrprofile besonders emissionskostenintensiv sind.
3. Investitionsentscheidungen werden robuster
Ein TCM-Modell erlaubt Szenarien: Was passiert bei steigenden CO₂-Preisen? Wie verändert sich ein BEV bei anderem Strommix, höherer Laufleistung oder besserer Ladeinfrastruktur? Welche Dienstwagenstrategie senkt Kosten und Emissionen gleichzeitig?
TCM (Jahr) = TCO (Jahr) + TCE (Jahr)
Die TCE wird aus Emissionsmenge und einem definierten Preis abgeleitet, ergänzt um weitere emissionsbezogene Kosten:
TCE (Jahr) = Σ (CO₂e-Menge × CO₂-Preis) + weitere Emissionskosten
Für die Steuerung ist die Normierung auf den Kilometer entscheidend:
TCM pro km = TCM im Betrachtungszeitraum ÷ gefahrene Kilometer
Erst durch diese Normierung werden Segmente, Antriebe und Mobilitätsformen vergleichbar. Ein Poolfahrzeug mit 8.000 Kilometern Jahresfahrleistung und ein Vielfahrer-Dienstwagen mit 40.000 Kilometern lassen sich in absoluten Zahlen nicht sinnvoll gegenüberstellen – in Cent pro Kilometer sehr wohl.
Ein Vielfahrer-Segment mit 40.000 Kilometern Jahresfahrleistung und 48 Monaten Haltedauer, illustrative Größenordnungen aus der Beratungspraxis. Die Herleitung der Einzelwerte folgt in Teil 2 (TCO) und Teil 3 (TCE).
| Kennzahl | Verbrenner (Diesel) | Elektro (BEV) |
|---|---|---|
| TCO | 52,0 ct/km | 46,0 ct/km |
| TCE | 4,0 ct/km | 0,5 ct/km (nach THG-Erlösen) |
| TCM = TCO + TCE | 56,0 ct/km | 46,5 ct/km |
| Über 160.000 km | rund 89.600 € | rund 74.400 € |
Annahmen hinter der TCE
Die 4,0 ct/km für den Diesel entsprechen nicht dem heutigen gesetzlichen CO₂-Preis. Bei rund 170 g CO₂ pro Kilometer und einem Preis von 65 €/t läge die reine CO₂-Abgabe bei etwa 1,1 ct/km. Der angesetzte Wert bildet einen internen Schattenpreis in der Größenordnung von rund 230 €/t ab – ein Niveau, das sich an den Klimakostensätzen des Umweltbundesamtes orientiert und zusätzlich Maut-, Compliance- und Restwertrisiken einschließt.
Beim BEV sind die THG-Erlöse gegengerechnet, die 2026 je nach Anbieter bei rund 300 bis 375 Euro pro Fahrzeug und Jahr liegen. Wichtig für Fuhrparks: Bei Firmenfahrzeugen sind diese Erlöse steuerpflichtige Betriebseinnahmen – anders als bei privaten Haltern.
Der Unterschied liegt bei rund 17 Prozent – und er wächst, weil die TCE dem CO₂-Preis-Pfad folgt, während die TCO über die Laufzeit weitgehend stabil bleibt. Wer nur die TCO rechnet, unterschätzt den Abstand. Wer nur die Rate vergleicht, sieht ihn gar nicht.
Wer TCE rechnet, braucht einen Preis. Und der ist derzeit im Umbruch. Bis 2025 war der nationale CO₂-Preis politisch festgelegt und stieg in Stufen. Seit 2026 gilt eine andere Logik.
| Jahr | CO₂-Preis | Mechanismus |
|---|---|---|
| 2025 | 55 €/t | Festpreis (BEHG) |
| 2026 | 55–65 €/t | Preiskorridor, erstmals Versteigerung (§ 10 Abs. 2 BEHG); Nachkauf zu 68 € |
| 2027 | 55–65 €/t | Korridor bleibt nach dem am 12.08.2026 beschlossenen Entwurf des 3. BEHG-Änderungsgesetzes |
| ab 2028 | Marktpreis | EU-ETS 2 löst das nationale System ab, freie Preisbildung |
Für die Flottenplanung ist der Bruch bei 2028 entscheidend. Solange der Preis in einem gesetzlichen Korridor liegt, ist er kalkulierbar. Mit dem Übergang in das EU-ETS 2 endet diese Planbarkeit – der Preis bildet sich dann am Markt. Wer heute ein Fahrzeug für 48 Monate beschafft, trifft also eine Entscheidung, deren Emissionskosten in der zweiten Hälfte der Laufzeit nicht mehr staatlich gedeckelt sind. Genau deshalb gehört die TCE in die Beschaffungsrechnung, und genau deshalb sollte sie als Szenario gerechnet werden, nicht als Punktwert.
Zur Einordnung der Größenordnung: Bei einem Emissionsfaktor von rund 2,65 Kilogramm CO₂ je Liter Diesel entspricht ein Preis von 65 Euro pro Tonne etwa 17 Cent je Liter. Bei 100 Euro pro Tonne wären es rund 27 Cent, bei 200 Euro rund 53 Cent. Diese Spanne ist der eigentliche Hebel, den eine TCM-Rechnung sichtbar macht.
Ein Diesel wirkt in der reinen Ratenbetrachtung attraktiv. In der TCO-Betrachtung kommen Kraftstoff, Wartung und Wertverlustrisiko hinzu. Ergänzt man die TCE, werden CO₂-Kosten und regulatorische Risiken sichtbar.
Ein Plug-in-Hybrid kann je nach Ladedisziplin wirtschaftlich sinnvoll sein – oder zum teuersten Kompromiss werden, wenn er faktisch als Verbrenner gefahren wird. Dann trägt er die Anschaffungskosten beider Antriebe und die Emissionskosten des schlechteren. Welche steuerlichen Risiken damit zusätzlich verbunden sind, haben wir in unserem Beitrag zu Plug-in-Hybriden im reinen Verbrennerbetrieb aufgeschlüsselt.
Ein batterieelektrisches Fahrzeug kann trotz höherer Rate durch geringere Energie- und Wartungskosten und nahezu keine Emissionskosten vorne liegen. Entscheidend sind Fahrprofil, Ladequote, Stromtarif, Restwertannahmen und Ladeinfrastruktur – Faktoren, die wir in unserer Übersicht zu E-Autos im Fuhrpark und zu den Ladekartenanbietern im Detail behandeln.
Die richtige Antwort lautet deshalb nie pauschal „Elektro ist immer günstiger“ oder „Verbrenner ist immer wirtschaftlicher“, sondern: Die passende Lösung liefert im konkreten Einsatzprofil die beste TCM.
„Emissionen sind längst ein Kostenfaktor. Die meisten Flotten buchen ihn nur nicht."

Eine TCM-Rechnung entsteht nicht durch eine neue Software, sondern durch eine geordnete Reihenfolge. Die Schritte bauen aufeinander auf – wer bei Schritt 3 beginnt, rechnet auf einer Datenbasis, die nicht trägt.
Schritt 01
TCO-Daten konsolidieren
Leasing, Buchhaltung, Tank- und Ladekarten, Werkstätten, Versicherungen und Fuhrparkmanagement zusammenführen. In der Praxis ist dieser Schritt der aufwendigste – und der, an dem die meisten Projekte hängenbleiben, weil jede Quelle eigene Fahrzeug-IDs und Abrechnungszeiträume nutzt.
Schritt 02
Emissionsdaten definieren
Verbrauchs- und Energiedaten mit einheitlichen Emissionsfaktoren und einer klar dokumentierten Systemgrenze verknüpfen. Entscheidend ist die Festlegung, ob nur der Betrieb (Tank-to-Wheel) oder auch die Vorkette (Well-to-Wheel) einbezogen wird. Beim Elektrofahrzeug ist zusätzlich der angesetzte Strommix zu dokumentieren.
Schritt 03
Preislogik festlegen
Externe CO₂-Kosten, interne Schattenpreise sowie Maut- und Compliance-Kosten definieren – als Szenarien, nicht als Punktwert. Bewährt hat sich ein Dreiklang aus gesetzlichem Preis, mittlerem Szenario und Stressfall. Angesichts der freien Preisbildung ab 2028 ist der Stressfall keine akademische Übung.
Schritt 04
TCM auf drei Ebenen berechnen
Fahrzeug-, Nutzer- und Flottenebene getrennt ausweisen: absolute Kosten, Kosten pro Kilometer und Kosten je Mobilitätsleistung. Erst die Nutzerebene zeigt, ob ein hoher TCM-Wert am Fahrzeug oder am Einsatzprofil liegt – und damit, ob die richtige Maßnahme ein anderes Fahrzeug oder eine andere Regel ist.
Schritt 05
Entscheidungsregeln verankern
Beschaffung, Ersatzzyklen, Car Policy, Mobilitätsbudgets und Zielvereinbarungen auf die TCM ausrichten – und jährlich mit dem aktuellen Preis-Pfad nachziehen. Eine Kennzahl, die nicht in einer Regel mündet, verändert keine Entscheidung. Wie sich das in einer Mobility Policy verankern lässt, zeigt unser Beitrag dazu.
Ehrlichkeit gehört zur Methode. Die TCE beruht zum Teil auf Prognosen – CO₂-Preise, Regulierung, Ratingeffekte. Ein gutes TCM-Modell arbeitet deshalb mit Szenarien, und die Entscheidung sollte in allen realistischen Szenarien tragen. Ein Ergebnis, das nur bei einem bestimmten CO₂-Preis funktioniert, ist keine Entscheidungsgrundlage, sondern eine Wette.
Zwei weitere Grenzen sind zu benennen. Erstens hängt das Ergebnis stark von der gewählten Systemgrenze ab: Wer nur den Betrieb betrachtet, kommt für Elektrofahrzeuge zu deutlich besseren Werten als bei Einbezug der Fahrzeugherstellung. Beide Sichtweisen sind vertretbar – sie müssen nur konsistent und offengelegt sein. Zweitens sind Restwertannahmen bei Elektrofahrzeugen derzeit die größte Einzelunsicherheit in der TCO. Wer sie zu optimistisch ansetzt, gewinnt die Rechnung auf dem Papier und verliert sie bei der Rückgabe.
Wichtig ist die Einordnung im Gesamtsystem: TCM ist keine zusätzliche Kennzahl neben dem Fuhrparkcontrolling, sondern dessen Weiterentwicklung zu einem integrierten Steuerungsmodell. Wer TCO und TCE zusammenführt, bewertet Mobilität nicht nur nach heutigen Kosten, sondern nach Emissionsrisiko, Transformationsfähigkeit und Zukunftssicherheit. So wird aus Kostenkontrolle Mobilitätsstrategie.
Die Total Cost of Mobility führt die wirtschaftlichen Kosten der Mobilität (TCO) mit den monetarisierten Kosten der verursachten Emissionen (TCE) zusammen und macht damit sichtbar, was eine Leasingrate systematisch verbirgt. In der Beispielrechnung liegt der Unterschied zwischen Diesel und Elektrofahrzeug bei rund 17 Prozent – ein Abstand, der mit dem CO₂-Preis-Pfad weiter wächst, weil die TCE steigt, während die TCO über die Laufzeit weitgehend stabil bleibt. Der eigentliche Wert der Kennzahl liegt aber nicht im Einzelergebnis, sondern in der Vergleichbarkeit: Antriebe, Segmente und Mobilitätsformen lassen sich erstmals auf derselben Basis bewerten.
Drei konkrete nächste Schritte: erstens die vorhandenen Kostendaten aus Leasing, Tankkarten und Werkstattabrechnungen auf eine gemeinsame Fahrzeug-ID zusammenführen. Zweitens eine Preislogik mit drei Szenarien festlegen statt eines einzelnen Werts. Drittens ein Segment auswählen – idealerweise das mit der höchsten Laufleistung – und dort die TCM vollständig durchrechnen, bevor das Modell auf die ganze Flotte ausgerollt wird.
„Die Leasingrate ist ein Preis. Die TCM ist eine Entscheidungsgrundlage.“
TCM-Standortbestimmung
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Weiterlesen in dieser Serie
Teil 2 · Total Cost of Ownership — Die wirtschaftliche Wahrheit hinter jeder Fahrzeugentscheidung
Teil 3 · Total Cost of Emissions — Wenn CO₂ vom ESG-KPI zum Kostenfaktor wird

Was ist die Total Cost of Mobility?
Die Total Cost of Mobility (TCM) ist eine Steuerungskennzahl, die die wirtschaftlichen Gesamtkosten der Mobilität eines Unternehmens mit den monetarisierten Kosten der verursachten Emissionen zusammenführt. Sie besteht aus der Total Cost of Ownership (TCO) und der Total Cost of Emissions (TCE). Es gilt: TCM = TCO + TCE.
Was ist der Unterschied zwischen TCO und TCM?
Die TCO erfasst die wirtschaftlichen Kosten eines Fahrzeugs über den Lebenszyklus – Leasing, Energie, Wartung, Versicherung, Verwaltung und Restwert. Die TCM erweitert diese Betrachtung um die Total Cost of Emissions und bildet damit auch CO₂-Preise, Compliance-Aufwand und regulatorische Risiken ab. Die TCO endet am Auspuff, die TCM nicht.
Wie berechnet man die TCM?
Die Grundformel lautet: TCM (Jahr) = TCO (Jahr) + TCE (Jahr). Die TCE ergibt sich aus der Emissionsmenge multipliziert mit einem definierten CO₂-Preis, ergänzt um weitere emissionsbezogene Kosten. Für die Steuerung ist die Normierung auf den Kilometer entscheidend: TCM pro km = TCM im Betrachtungszeitraum geteilt durch die gefahrenen Kilometer. Erst dadurch werden Segmente, Antriebe und Mobilitätsformen vergleichbar.
Welchen CO₂-Preis setzt man in der TCE an?
Es gibt keinen einzelnen richtigen Wert. Der gesetzliche Rahmen liefert die Untergrenze: 2026 gilt nach § 10 Abs. 2 BEHG ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, für 2027 sieht der am 12. August 2026 beschlossene Entwurf des Dritten BEHG-Änderungsgesetzes denselben Korridor vor. Ab 2028 bildet sich der Preis im EU-ETS 2 frei am Markt. Weil diese Unsicherheit in die Vertragslaufzeit fällt, sollte die TCE mit mehreren Szenarien gerechnet werden – gesetzlicher Preis, mittleres Szenario und Stressfall.
Wie viel günstiger ist ein Elektrofahrzeug in der TCM?
In der Modellrechnung für ein Vielfahrer-Segment mit 40.000 Kilometern Jahresfahrleistung liegt der Diesel bei 56,0 Cent pro Kilometer (52,0 TCO plus 4,0 TCE), das batterieelektrische Fahrzeug bei 46,5 Cent (46,0 TCO plus 0,5 TCE nach THG-Erlösen). Der Unterschied beträgt rund 17 Prozent oder etwa 15.200 Euro über 160.000 Kilometer. Der Wert ist illustrativ und hängt von Fahrprofil, Ladequote, Stromtarif, Restwertannahmen und angesetztem CO₂-Preis ab.
Was ist ein interner CO₂-Schattenpreis?
Ein vom Unternehmen selbst festgelegter Preis je Tonne CO₂, der bewusst über dem gesetzlichen Preis liegen kann. Er bildet erwartete künftige Kosten sowie Klimafolgekosten ab und macht Investitionsentscheidungen robust gegenüber Preissteigerungen. In der Beispielrechnung dieses Beitrags entspricht die angesetzte TCE des Diesels einem Schattenpreis in der Größenordnung von rund 230 Euro je Tonne – deutlich über dem gesetzlichen Preis, aber inklusive Maut-, Compliance- und Restwertrisiken.
Mindern THG-Erlöse die TCE eines Elektrofahrzeugs?
Ja. Halter rein batterieelektrischer Fahrzeuge können die eingesparten Emissionen über die Treibhausgasminderungsquote vermarkten. Die Erlöse lagen 2026 je nach Anbieter bei rund 300 bis 375 Euro pro Fahrzeug und Jahr und werden in der TCE gegengerechnet. Wichtig für Fuhrparks: Bei Firmenfahrzeugen handelt es sich um steuerpflichtige Betriebseinnahmen, anders als bei privaten Haltern.
Ist ein Plug-in-Hybrid in der TCM sinnvoll?
Das hängt vollständig von der Ladedisziplin ab. Wird der Plug-in-Hybrid konsequent geladen, kann er wirtschaftlich sinnvoll sein. Wird er faktisch als Verbrenner gefahren, trägt er die Anschaffungskosten beider Antriebe und die Emissionskosten des schlechteren – und wird damit zur teuersten Variante. Hinzu kommen steuerliche Risiken. Die TCM macht diesen Unterschied sichtbar, weil sie die tatsächliche Ladequote in die Rechnung einbezieht.
Wie führt man die TCM im Unternehmen ein?
In fünf Schritten: TCO-Daten aus Leasing, Buchhaltung, Tank- und Ladekarten, Werkstätten und Versicherungen auf einer gemeinsamen Fahrzeug-ID konsolidieren; Emissionsdaten mit einheitlichen Faktoren und klarer Systemgrenze verknüpfen; eine Preislogik als Szenarien festlegen; die TCM auf Fahrzeug-, Nutzer- und Flottenebene berechnen; und die Ergebnisse in Beschaffung, Ersatzzyklen, Car Policy und Zielvereinbarungen verankern. Empfehlenswert ist der Start mit einem einzelnen Segment, bevor das Modell auf die gesamte Flotte ausgerollt wird.
Spezialist für Organisationsentwicklung, Effizienzprogramme und datenbasierte Transformationsprozesse. Er begleitet Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Strukturen, der Reduktion operativer Komplexität und der Entwicklung skalierbarer Prozesse unter hohem Kostendruck.
„Kosten, die man nicht rechnet, verschwinden nicht. Sie tauchen später auf.“
Weitere Inhalte: Moviqon-Blog · Über Moviqon
✍️ In Zusammenarbeit mit Sophie – Content Strategin bei YellowFrog mit Fokus auf strukturierte Daten, semantische Inhalte und AI SEO.
Rechtsbelehrung (Stand: 08.09.2026)
Dieser Beitrag ordnet öffentlich verfügbare Informationen ein und enthält illustrative Modellrechnungen. Die dargestellten Werte sind Größenordnungen aus der Beratungspraxis und keine Zusicherung; sie hängen von Fahrprofil, Ladequote, Energiepreisen, Restwertannahmen und dem angesetzten CO₂-Preis ab. Der Beitrag stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Steuerliche und regulatorische Angaben – insbesondere zum CO₂-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz, zum Übergang in das EU-ETS 2 und zur steuerlichen Behandlung von THG-Erlösen – sind vor Entscheidungen fachlich zu prüfen. CO₂-Preise und Vorschriften ändern sich; maßgeblich ist stets der aktuelle Rechtsstand.




