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Elektroautos sind erstmals die Nummer eins im Firmenfuhrpark

Elektroautos sind erstmals die Nummer eins im Firmenfuhrpark

Kategorie: Mobilität & Fuhrparkstrategie

Elektroautos im Firmenfuhrpark: Der Kipppunkt ist erreicht

Wie Sie die Flottenstudie 2026 in eine belastbare Elektrifizierungsstrategie übersetzen – mit vollständiger TCO-Logik, klaren Beschaffungsregeln und Blick auf die kommende EU-Quote.

„In der Gesamtkostenbetrachtung sind E-Autos nicht mehr teurer als Verbrenner. Wer sie für zu teuer hält, rechnet in der Regel nicht vollständig.“

– Alexander Schuh, Moviqon Strategy & Organisation

Batterieelektrische Pkw sind seit dem ersten Halbjahr 2026 die führende Antriebsart im deutschen Firmenfuhrpark: 30 Prozent aller Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt entfallen auf reine Elektrofahrzeuge – erstmals mehr als auf Benzin, Diesel oder Plug-in-Hybrid. Das zeigt die Studie „Elektrifizierung im deutschen Flottenmarkt“ (Dataforce im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland, Juli 2026; KBA-Vollerhebung über IRIS® kombiniert mit einer Befragung von 255 Fuhrparkverantwortlichen). Treiber ist nicht die Regulierung, sondern die Wirtschaftlichkeit – und mit der geplanten Clean Corporate Vehicles Regulation (54 Prozent emissionsfreie Neuzulassungen ab 2030, 95 Prozent ab 2035) rückt zusätzlich ein verbindlicher Rahmen näher.

Viele Unternehmen haben ihre Flotte in den vergangenen Jahren teilelektrifiziert – und stellen dennoch fest: Die Wirtschaftlichkeit lässt sich intern nicht belegen, die Fahrzeugauswahl wird von Vorbehalten getrieben statt von Daten, und beim Laden fehlt eine saubere Regelung. Das ist selten ein Problem der Fahrzeuge. Es ist ein Problem der Steuerungsinstrumente: Solange über die Leasingrate entschieden wird, verliert das Elektrofahrzeug in jeder internen Vorlage – obwohl es rechnerisch längst führt.

Dieser Beitrag ordnet die Studienergebnisse aus Beratungsperspektive ein – aufbauend auf unserer Analyse zur TCO-Falle im Fuhrpark: 5 wesentliche Hebel für die Kostensteuerung – und zeigt, welche Konsequenzen sich daraus für Ihre Beschaffung, Ihre Car Policy und Ihre Ladeinfrastruktur ergeben. Als unabhängige Fuhrpark- und Mobilitätsberatung hat moviqon die Ergebnisse für die WirtschaftsWoche eingeordnet.

1. Elektro ist erstmals die führende Antriebsart

Auf einen Blick – die Kernfakten

  • 30 % aller Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt waren im 1. Halbjahr 2026 rein batterieelektrisch – erstmals mehr als jede andere Antriebsart. (Dataforce/IKND, 2026)
  • 2 % auf 30 % – so stark ist der BEV-Anteil im Flottenmarkt seit 2019 gestiegen. (Dataforce/IKND, 2026)
  • 74 % der befragten Fuhrparkverantwortlichen, die Elektrofahrzeuge bereits einsetzen oder deren Anschaffung planen, nennen Wirtschaftlichkeit als entscheidenden Treiber. (Dataforce/IKND, 2026)
  • 94 % der Unternehmen mit mehr als 50 Fahrzeugen haben mindestens einen Elektro-Pkw im Bestand. (Dataforce/IKND, 2026)
  • 73 % der 2026 neu zugelassenen Elektro-Pkw im Flottenmarkt stammen von deutschen Konzernen – im Privatmarkt sind es nur 38 %. (Dataforce/IKND, 2026)
  • 54 % bis 2030, 95 % bis 2035 – Zielwerte für emissionsfreie Neuzulassungen von Großunternehmen nach dem aktuellen Entwurf der EU-Verordnung Clean Corporate Vehicles Regulation (noch nicht verabschiedet).

Wie hoch ist der E-Auto-Anteil in deutschen Firmenflotten? Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 30 Prozent aller Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt auf rein batterieelektrische Pkw. Damit liegt das BEV erstmals vor Diesel, Benzin und Plug-in-Hybrid. Für das Gesamtjahr 2025 lag der Anteil noch bei 24 Prozent – bereits im November 2025 zogen die Stromer erstmals monatsweise an den übrigen Antrieben vorbei. Gegenüber 2019, als der Anteil bei 2 Prozent lag, hat sich der Markt damit innerhalb von sieben Jahren fundamental gedreht.

BEV-Anteil im deutschen Flottenmarkt 2019 bis 1. Halbjahr 2026 BEV-Anteil an Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt Angaben in Prozent · Deutschland · 2019 bis 1. Halbjahr 2026 0 10 20 30 2 % 2019 24 % Gesamtjahr 2025 30 % 1. Halbjahr 2026 Antriebsart Nr. 1 Datenquelle: Dataforce / Initiative Klimaneutrales Deutschland (2026), IRIS® · Darstellung: Moviqon Strategy & Organisation 2026
Tabelle 1: BEV-Anteil an den Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt (Dataforce/IKND, 2026)
ZeitraumBEV-AnteilMarktposition
20192 %Nischenantrieb
Gesamtjahr 202524 %ab November 2025 monatsweise Nr. 1
1. Halbjahr 202630 %führende Antriebsart

Besonders weit sind die großen Flotten: 94 Prozent der Unternehmen mit mehr als 50 Fahrzeugen haben heute mindestens einen Elektro-Pkw im Bestand, und 64 Prozent dieser Unternehmen halten es für wahrscheinlich, ab 2035 nahezu ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zu beschaffen.

Diese Zahlen haben Hebelwirkung weit über den Firmenfuhrpark hinaus. Über die Hälfte aller Pkw-Neuzulassungen in Deutschland läuft über gewerbliche Halter, und der Flottenmarkt steht für rund ein Drittel aller batterieelektrischen Neuzulassungen. Wo Unternehmen umsteigen, beschleunigt sich der Wandel im gesamten Markt – und drei bis vier Jahre später auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt, weil Firmenfahrzeuge nach Leasingende dorthin abfließen.

2. Wirtschaftlichkeit ist der entscheidende Treiber

Der Umstieg ist in erster Linie eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, keine ideologische. 74 Prozent der befragten Fuhrparkverantwortlichen, die Elektrofahrzeuge bereits einsetzen oder deren Anschaffung planen, nennen die Wirtschaftlichkeit als wichtigsten Treiber der Elektrifizierung. Über alle Befragten hinweg bewerten 59 Prozent die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) eines Elektro-Pkw inzwischen besser als die eines vergleichbaren Verbrenners.

Die Vorteile liegen dabei nicht im Anschaffungspreis, sondern im Betrieb – und genau das ist der Punkt, an dem viele Kalkulationen scheitern.

Wirtschaftliche Vorteile von E-Fahrzeugen aus Sicht der Fuhrparkverantwortlichen Wo E-Fahrzeuge wirtschaftlich punkten Nennungen der befragten Fuhrparkverantwortlichen, in Prozent · n = 255 Geringere Energiekosten 94 % Steuervorteile 79 % Niedrigere Wartungs- und Verschleißkosten 68 % Datenquelle: Dataforce / Initiative Klimaneutrales Deutschland (2026), Fuhrparkleiterbefragung, n = 255 · Darstellung: Moviqon Strategy & Organisation 2026
Tabelle 2: Kernkennzahlen zur Wirtschaftlichkeit (Dataforce/IKND, 2026, n = 255)
KennzahlWertBezugsgruppe
Wirtschaftlichkeit als Haupttreiber74 %Nutzer bzw. Planer von E-Fahrzeugen
TCO des BEV besser als Verbrenner59 %alle Befragten
Geringere Energiekosten94 %Nennungen zu Kostenvorteilen
Steuervorteile79 %Nennungen zu Kostenvorteilen
Niedrigere Wartungs-/Verschleißkosten68 %Nennungen zu Kostenvorteilen
3. Der TCO-Blindfleck: Warum viele Flotten falsch rechnen

„Viele betrachten nur die Leasingrate. Damit fallen Energie, Wartung, Steuervorteile und CO₂-Preis komplett aus der Rechnung.“

– Alexander Schuh, Moviqon Strategy & Organisation

Aus unserer Beratungspraxis ist das der häufigste Fehler überhaupt: Antriebsentscheidungen werden auf Basis der monatlichen Leasingrate getroffen, nicht auf Basis der Gesamtkosten. Die Leasingrate bildet aber nur einen Teil der Kostenstruktur ab – und ausgerechnet den Teil, in dem das Elektrofahrzeug am schlechtesten aussieht. Warum TCO und TCE untrennbar zusammengehören, ist dabei die zweite Hälfte derselben Rechnung.

Vier Positionen werden regelmäßig unterschätzt:

  • Energiekosten. Der Abstand zwischen Strom- und Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer ist der größte einzelne TCO-Hebel – vorausgesetzt, das Laden ist über Ladekarte, Wallbox und Erstattungsregelung sauber geregelt. Welche Tarifmodelle sich rechnen, zeigt unsere Übersicht der Ladekartenanbieter.
  • Steuerliche Effekte. Die reduzierte Bemessungsgrundlage bei der Dienstwagenbesteuerung wirkt auf den geldwerten Vorteil und damit auf die Attraktivität der Fahrzeuge für Ihre Mitarbeitenden. In Kombination mit einer durchdachten Zuzahlungsregelung lässt sich das gezielt steuern.
  • Wartung und Verschleiß. Weniger bewegte Teile, seltenere Serviceintervalle, geringerer Bremsenverschleiß durch Rekuperation.
  • Der CO₂-Preis im Verkehr. Er steigt über die Vertragslaufzeit – wer heute einen Verbrenner für 48 Monate least, kalkuliert eine Kostenposition ein, die während der Laufzeit weiter zunimmt.

Hinzu kommt ein Effekt, den kaum jemand einkalkuliert: Eine emissionsarme Flotte verbessert das Nachhaltigkeitsrating bei Banken und erhöht damit die Chancen auf günstigere Finanzierungskonditionen. Der Fuhrpark ist in vielen Unternehmen der zweitgrößte Emittent nach der Produktion – und damit ein ESG-Hebel, der sich direkt in Basispunkten niederschlägt.

4. Förderung und Regulierung: die unbequeme Wahrheit

Ehrlich bleiben muss man dennoch: 54 Prozent der Unternehmen würden ohne Förderung und Regulierung langsamer oder gar nicht elektrifizieren. Die Marktdynamik ist also nicht vollständig selbsttragend.

Förderprogramme sehen wir bei moviqon aus einem bestimmten Grund kritisch: Sie können den Gebrauchtwagenmarkt beschädigen, wenn ein gefördertes Neufahrzeug am Ende günstiger ist als ein vergleichbarer Gebrauchtwagen. Gerade der hohe E-Anteil im Firmenfuhrpark wäre für Privatkäufer auf dem Zweitmarkt eigentlich ein Segen – er sorgt für Volumen und Preisdruck genau dort, wo Elektromobilität bislang schlecht verfügbar ist. Fördereingriffe, die diesen Mechanismus stören, verschieben Nachfrage, statt sie zu schaffen.

Regulatorischer Ausblick: Clean Corporate Vehicles Regulation

Hintergrund der Studie ist die geplante EU-Verordnung Clean Corporate Vehicles Regulation (CCVR), die im Herbst 2026 verabschiedet werden könnte. Der aktuelle Entwurf sieht für Großunternehmen in Deutschland verbindliche Quoten für emissionsfreie Neuzulassungen vor:

StichjahrAnteil emissionsfreier Neuzulassungen
203054 %
203595 %

Stand: Juli 2026. Die Werte stammen aus dem Verordnungsentwurf und sind noch nicht geltendes Recht. Vor Investitionsentscheidungen ist der jeweils aktuelle Verfahrensstand zu prüfen.

5. Deutsche Hersteller dominieren – noch

Im Flottenmarkt sind die deutschen Hersteller die klaren Gewinner der Elektrifizierung: 73 Prozent der 2026 neu zugelassenen Elektro-Pkw stammen von deutschen Konzernen. Im Privatmarkt liegt dieser Anteil mit 38 Prozent deutlich niedriger. Firmenflotten sind damit derzeit das stabilisierende Fundament der deutschen Automobilindustrie.

Top-Elektromarken im deutschen Flottenmarkt, 1. Halbjahr 2026 Top-Elektromarken im Flottenmarkt Anteil an den BEV-Neuzulassungen, in Prozent · 1. Halbjahr 2026 VW 21 % Škoda 15 % BMW 12 % Audi 11 % Mercedes 7 % Summe deutsche Konzerne inkl. weiterer Konzernmarken: 73 % · Privatmarkt zum Vergleich: 38 % Datenquelle: Dataforce / Initiative Klimaneutrales Deutschland (2026) · Darstellung: Moviqon Strategy & Organisation 2026

Hinweis zur Lesart: Die fünf genannten Marken summieren sich auf 66 Prozent. Die Differenz zu den 73 Prozent entfällt auf weitere Marken derselben Konzerne. Škoda wird dabei als Marke des Volkswagen-Konzerns geführt – die Kategorie beschreibt also die Konzernzugehörigkeit, nicht den Produktionsstandort.

6. Neue Wettbewerber: Was chinesische Hersteller verändern

Der Vorsprung der etablierten Marken ist kein Selbstläufer. 73 Prozent der befragten Fuhrparkmanager halten neue Marken – etwa aus China – für gleichwertig oder besser, und 44 Prozent können sich vorstellen, künftig chinesische Fahrzeuge in den Fuhrpark aufzunehmen. Aus unserer Beratungspraxis können wir das bestätigen: Sehr viele Fuhrparks beschäftigen sich derzeit intensiv mit chinesischen Herstellern.

Ein konkretes Beispiel liefert Xpeng. Der Mona L03, ein kompaktes Elektro-SUV, feierte im Juli 2026 seine Weltpremiere in München und startet in Deutschland bei rund 35.600 Euro – im Format vergleichbar mit Škoda Enyaq Coupé, Cupra Tavascan oder Ford Capri. Das ist kein Nischenangebot mehr, sondern ein direkter Angriff auf genau das Volumensegment, in dem deutsche Flotten ihre Fahrzeuge beschaffen.

Was die etablierten Marken heute noch schützt, ist das dichte Service- und Werkstattnetz. Für Firmenflotten ist zuverlässige Wartung zentral – Standzeiten kosten unmittelbar Produktivität. Hier sind die Händlernetze deutscher Hersteller derzeit klar stärker. Doch Marken wie BYD, Xpeng oder MG bauen ihre Vertriebs- und Servicestrukturen in hohem Tempo aus. Entscheiden wird am Ende nicht die Herkunft, sondern das Zusammenspiel aus Preis, Qualität, Restwertstabilität und Servicedichte.

„Der Markt hat die Entscheidung längst getroffen. Die meisten Fuhrparks haben ihre Steuerungsinstrumente nur noch nicht nachgezogen."

Alexander Schuh
CEO & Founder
7. Fünf Handlungsfelder für Fuhrparkverantwortliche

Aus Sicht von moviqon lassen sich aus der Studie fünf konkrete Handlungsfelder ableiten. Sie sind bewusst in der Reihenfolge sortiert, in der sie bearbeitet werden sollten — jedes Feld setzt auf dem vorherigen auf.

Handlungsfeld 01

TCO statt Leasingrate

Antriebsentscheidungen gehören auf eine vollständige Gesamtkostenrechnung gestellt — inklusive Energie, Wartung, Steuer, Restwert, Versicherung und CO₂-Preisen. Wer weiter über die Leasingrate steuert, wird das Elektrofahrzeug systematisch benachteiligen, obwohl es rechnerisch längst führt. Der erste Schritt ist die Modellrechnung über die volle Haltedauer, nicht der Angebotsvergleich.

Handlungsfeld 02

Car Policy auf E-First umstellen

Wenn der Kostenabstand verschwindet, wird das Elektrofahrzeug zum Standard und der Verbrenner zur begründungspflichtigen Ausnahme. Das ist keine Symbolpolitik, sondern eine Steuerungsentscheidung: Sie verlagert die Beweislast. Wie eine belastbare Regelung aufgebaut wird, zeigt unser Beitrag zu Car Policy Advanced & Mobility Policy.

Handlungsfeld 03

Ladeinfrastruktur zuerst, Reichweite zuletzt

Ladepunkte am Standort und zu Hause, eine saubere Ladekostenerstattung und transparente Tarife entscheiden über den Erfolg der Elektrifizierung — nicht die Reichweite auf dem Datenblatt. Welche Laufleistungen und Einsatzprofile tatsächlich tragfähig sind, haben wir in E-Autos im Fuhrpark ausgewertet. Für das Laden am eigenen Hausanschluss lohnt zusätzlich ein Blick auf die steuerlichen Fallstricke beim Laden mit Solarstrom.

Handlungsfeld 04

Markenauswahl öffnen — aber strukturiert bewerten

Neue Anbieter gehören auf die Liste, jedoch mit klarer Prüfung von Servicenetz, Ersatzteilverfügbarkeit, Restwertprognose und geopolitischem Risiko. Der Ort, an dem das entschieden wird, ist die Ausschreibung: Ein sauberer Marktvergleich bringt Transparenz, wo Bauchgefühl nicht trägt — siehe unsere Case Study zum Leasing-Benchmark.

Handlungsfeld 05

EU-Flottenquote antizipieren

Für Großunternehmen zeichnen sich mit der Clean Corporate Vehicles Regulation verbindliche Ziele ab — 54 Prozent emissionsfreie Neufahrzeuge ab 2030, 95 Prozent ab 2035. Bei üblichen Haltedauern von 36 bis 48 Monaten fallen die Beschaffungsentscheidungen für 2030 bereits ab 2027. Wer früh plant, vermeidet später eine Hauruck-Umstellung unter Termindruck.

8. Der 90-Tage-Fahrplan

Elektrifizierung scheitert selten an der Technik und fast immer an der Reihenfolge. Diese vier Schritte bringen einen Fuhrpark innerhalb eines Quartals in eine entscheidungsfähige Ausgangslage.

  1. Tag 1–20 — Datenbasis herstellen. Fahrprofile, Jahresfahrleistungen, Standortverteilung und Heimlademöglichkeiten je Fahrzeugklasse erfassen. Ohne diese Basis ist jede TCO-Rechnung eine Schätzung.
  2. Tag 21–45 — TCO-Vergleich rechnen. Je Fahrzeugklasse BEV gegen Verbrenner über die volle Haltedauer stellen, inklusive Energie, Wartung, Versicherung, Steuer, Restwert und CO₂-Preisentwicklung. Ergebnis: eine Liste der Klassen, die heute bereits kippen.
  3. Tag 46–70 — Ladekonzept festlegen. Standortladen, Heimladen und öffentliches Laden zuordnen, Erstattungsmodell und Ladekartentarif festlegen, Abrechnungsprozess definieren.
  4. Tag 71–90 — Car Policy anpassen und kommunizieren. E-First-Regel, Ausnahmeprozess und Nachteilsausgleich verankern — und die Regelung erklären, bevor sie gilt. Wie Sie dabei Mitarbeitende überzeugen und typische Mythen entkräften, ist der unterschätzte Erfolgsfaktor.

Ein Sonderfall verdient dabei Aufmerksamkeit: Plug-in-Hybride, die faktisch nie geladen werden. Sie verfehlen sowohl das Kosten- als auch das Emissionsziel und bergen zusätzlich steuerliche Risiken für Unternehmen und Mitarbeitende. Wer den Bestand elektrifiziert, sollte hier zuerst hinsehen.

9. Über die Studie: Datenbasis und Methodik

Die Zahlen dieses Beitrags stammen vollständig aus einer Quelle. Wer sie intern weiterverwendet, sollte die Erhebungsgrundlage kennen – insbesondere die Marktabgrenzung, die den Unterschied zu abweichenden Zahlen in der Tagespresse erklärt.

Studiensteckbrief

Titel„Elektrifizierung im deutschen Flottenmarkt“
DurchführungDataforce GmbH, Frankfurt am Main
AuftraggeberInitiative Klimaneutrales Deutschland (IKND)
Veröffentlichung24. Juli 2026
Datenbasis ZulassungenKBA-Vollerhebung über Dataforce IRIS®, 2019 bis 1. Halbjahr 2026
BefragungOnline-Befragung von 255 Fuhrparkverantwortlichen
Erhebungszeitraum16. bis 28. April 2026
Marktabgrenzung„relevanter Flottenmarkt“ = gewerbliche Halter ohne Autovermieter, Hersteller und Händler
10. Fazit & nächste Schritte

Die Elektrifizierung des Firmenfuhrparks ist keine Prognose mehr, sondern der eingetretene Normalfall: Mit 30 Prozent Anteil im ersten Halbjahr 2026 ist das batterieelektrische Auto die führende Antriebsart im deutschen Flottenmarkt. Getragen wird die Entwicklung von der Wirtschaftlichkeit, nicht von der Regulierung — 74 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen, die E-Fahrzeuge einsetzen oder planen, nennen sie als Haupttreiber. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob elektrifiziert wird, sondern ob die Steuerungsinstrumente — TCO-Rechnung, Car Policy, Ladekonzept und Beschaffungsprozess — mit dieser Entwicklung Schritt halten.

Zwei Risiken bleiben dabei zu managen: die Abhängigkeit von Förderkulissen, ohne die 54 Prozent der Unternehmen langsamer elektrifizieren würden, und die verschiebende Wettbewerbslandschaft, in der neue Anbieter das Volumensegment angreifen. Beides spricht dafür, die eigene Elektrifizierungs-Roadmap jetzt zu schreiben — im Markt, nicht unter Fristendruck.

„Die Frage ist nicht mehr, ob elektrifiziert wird. Sie ist, ob Ihre Beschaffung schneller ist als die Quote.“

– Alexander Schuh, Moviqon Strategy & Organisation

Elektrifizierungs-Roadmap

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Begriffe kurz erklärt
BEV (Battery Electric Vehicle)
Rein batterieelektrisches Fahrzeug ohne Verbrennungsmotor. Abzugrenzen vom Plug-in-Hybrid (PHEV), der über beide Antriebe verfügt.
Relevanter Flottenmarkt
Marktabgrenzung von Dataforce für gewerbliche Halter mit echtem Nutzungsinteresse. Autovermieter, Fahrzeughersteller und Händler werden ausgeklammert, weil deren Zulassungen überwiegend taktisch erfolgen und das Bild verzerren würden.
TCO (Total Cost of Ownership)
Gesamtkosten eines Fahrzeugs über die vollständige Haltedauer — Leasing- oder Kapitalkosten, Energie, Wartung, Reifen, Versicherung, Steuern, Verwaltung und Restwert. Die maßgebliche Kennzahl für Antriebsentscheidungen im Fuhrpark.
CCVR (Clean Corporate Vehicles Regulation)
Geplante EU-Verordnung, die verbindliche Quoten für emissionsfreie Neuzulassungen in Unternehmensflotten vorsieht. Der Entwurf nennt für deutsche Großunternehmen 54 Prozent ab 2030 und 95 Prozent ab 2035. Stand Juli 2026 noch nicht verabschiedet.
IRIS®
Datenbanksystem von Dataforce, das die Zulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamtes als Vollerhebung aufbereitet und Haltergruppen zuordnet.
11. Häufige Fragen zur Flottenelektrifizierung

Wie hoch ist der E-Auto-Anteil in deutschen Firmenflotten 2026?

Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 30 Prozent aller Neuzulassungen im relevanten deutschen Flottenmarkt auf rein batterieelektrische Pkw. Damit ist das BEV erstmals die führende Antriebsart und liegt vor Benzin, Diesel und Plug-in-Hybrid. 2019 lag der Anteil noch bei 2 Prozent, im Gesamtjahr 2025 bei 24 Prozent. Quelle: Dataforce im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland, Juli 2026.

Sind Elektroautos im Fuhrpark inzwischen günstiger als Verbrenner?

In der Gesamtkostenbetrachtung häufig ja: 59 Prozent der befragten Fuhrparkverantwortlichen bewerten die Total Cost of Ownership eines Elektro-Pkw besser als die eines vergleichbaren Verbrenners. Entscheidend ist die Rechenlogik — wer nur die Leasingrate vergleicht, blendet die Energiekosten-, Wartungs- und Steuervorteile sowie den steigenden CO₂-Preis aus. Eine belastbare Aussage ergibt sich erst aus einem TCO-Vergleich über die vollständige Haltedauer je Fahrzeugklasse.

Was ist die Clean Corporate Vehicles Regulation?

Die Clean Corporate Vehicles Regulation (CCVR) ist eine geplante EU-Verordnung, die verbindliche Quoten für emissionsfreie Neuzulassungen in Unternehmensflotten einführen soll. Der aktuelle Entwurf sieht für deutsche Großunternehmen 54 Prozent emissionsfreie Neuzulassungen bis 2030 und 95 Prozent bis 2035 vor. Eine Verabschiedung wurde für Herbst 2026 in Aussicht gestellt; Stand Juli 2026 ist die Verordnung noch nicht in Kraft.

Warum treiben Unternehmen die Elektrifizierung voran?

Der wichtigste Grund ist wirtschaftlicher Natur. 74 Prozent der befragten Fuhrparkverantwortlichen, die Elektrofahrzeuge bereits einsetzen oder deren Anschaffung planen, nennen die Wirtschaftlichkeit als entscheidenden Treiber. Konkret genannt werden geringere Energiekosten (94 Prozent), Steuervorteile (79 Prozent) und niedrigere Wartungs- und Verschleißkosten (68 Prozent). Nachhaltigkeitsziele und regulatorischer Druck wirken ergänzend, sind aber nicht der Hauptgrund.

Würden Unternehmen auch ohne Förderung elektrifizieren?

Nur eingeschränkt. 54 Prozent der befragten Unternehmen geben an, ohne Förderung und Regulierung langsamer oder gar nicht zu elektrifizieren. Die Marktdynamik ist damit nicht vollständig selbsttragend. moviqon bewertet direkte Kaufförderung kritisch, weil sie den Gebrauchtwagenmarkt verzerren kann, wenn geförderte Neufahrzeuge günstiger werden als vergleichbare Gebrauchte.

Welche Marken dominieren den Elektro-Flottenmarkt?

73 Prozent der 2026 neu zugelassenen Elektro-Pkw im Flottenmarkt stammen von deutschen Konzernen. Führend ist VW mit 21 Prozent, gefolgt von Škoda (15 Prozent), BMW (12 Prozent), Audi (11 Prozent) und Mercedes (7 Prozent); die Differenz zu 73 Prozent entfällt auf weitere Konzernmarken. Im Privatmarkt liegt der Anteil deutscher Konzerne mit 38 Prozent deutlich niedriger.

Sind chinesische Hersteller für Firmenflotten eine ernsthafte Option?

Zunehmend ja. 73 Prozent der befragten Fuhrparkmanager halten neue Marken für gleichwertig oder besser, 44 Prozent können sich chinesische Fahrzeuge im eigenen Fuhrpark vorstellen. Der begrenzende Faktor ist derzeit weniger das Fahrzeug als das Service- und Werkstattnetz, weil Standzeiten im gewerblichen Einsatz unmittelbar Kosten verursachen. Für die Bewertung sind Servicedichte, Ersatzteilverfügbarkeit, Restwertprognose und geopolitisches Risiko heranzuziehen.

Was bedeutet „E-First“ in der Car Policy?

E-First bedeutet, dass das Elektrofahrzeug in der Car Policy als Standard definiert wird und der Verbrenner nur noch als begründungspflichtige Ausnahme bestellbar ist. Die Regelung kehrt die Beweislast um: Nicht die Elektrobestellung ist zu rechtfertigen, sondern die Abweichung davon. Voraussetzung sind ein tragfähiges Ladekonzept und ein definierter Ausnahmeprozess für Einsatzprofile, die sich nicht elektrifizieren lassen.

Alexander Schuh – Spezialist für Fuhrparkstrategie und Organisationsentwicklung bei Moviqon
Autor: Alexander Schuh – Moviqon Strategy & Organisation

Spezialist für Organisationsentwicklung, Effizienzprogramme und datenbasierte Transformationsprozesse. Er begleitet Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Strukturen, der Reduktion operativer Komplexität und der Entwicklung skalierbarer Prozesse unter hohem Kostendruck.

„Elektrifizierung ist kein Fahrzeugthema. Sie ist ein Rechenthema – und danach ein Führungsthema.“

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✍️ In Zusammenarbeit mit Sophie – Content Strategin bei YellowFrog mit Fokus auf strukturierte Daten, semantische Inhalte und AI SEO.

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